Die Idee einer Denzel-Akademie habe es schon seit einigen Jahren gegeben, sagt Mag. Gregor Strassl, der den Denzel-­Konzern seit dem Frühjahr 2015 als Vorstandsvorsitzender lenkt. Doch zuerst sei die Corona-Pandemie dazwischengekommen, und außerdem benötige man eine gewisse „kritische Größe“, um so eine Investition zu rechtfertigen: „Diese kritische Größe haben wir in den vergangenen Jahren erreicht. Bei 1.000 Mitarbeitern in den Autohäusern kommt der Punkt, wo man so eine große ­Investition tätigen soll und muss.“

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Umso wichtiger wurden diese Schulungen durch die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren Kundenzentren in ganz Österreich neu dazugekommen sind. 23 Einzelhandels-Standorte gibt es mittlerweile, und auch die Markenvielfalt ist gewachsen. Nicht zuletzt dadurch sei es für die Mitarbeiter unmöglich geworden, Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen – egal auf welcher Ebene.

In jedem Fall sei es wichtig, die Prozesse in den Autohäusern genau zu definieren, meint Strassl: „Das ist vor allem in einem Mehrmarken-Autohaus nicht immer leicht, weil die Marke A andere Prozesse hat als die Marke B.“ Wichtig sei es auch, die neu hinzukommenden Mitarbeiter mit jenen, die schon länger im Autohaus sind, auf einen Stand zu bringen.

Daher gibt es bei Denzel einen genau definierten Onboarding-Prozess: Nach dem ersten Tag in der Filiale geht es für alle neu eintretenden Autohaus-Mitarbeiter für 5 Tage in die Denzel-Akademie nach Wien. Derzeit finden die Schulungen noch in einem Hotel statt, doch schon bald wird alles in neuen Räumlichkeiten in der Richard-Strauss-Straße stattfinden. Ziel ist die Lehre eines einheitlichen Prozesses: „Damit wollen wir auch die Fluktuation möglichst vermeiden.“ Nach dieser Einschulung geht es wieder ins jeweilige Kundenzentrum.

Immerhin hat Denzel in seinen konzerneigenen Autohäusern rund 1.000 Mitarbeiter; im Vorjahr wurden etwa 48.000 Neu- und Gebrauchtwagen verkauft. Strassl: „Die Margen werden geringer, dadurch werden die Prozesse und das Steuern des Geschäfts über Kennzahlen immer wichtiger.“ Bei den geringeren Margen benötige man ein perfektes Controlling: „Nach den Kennzahlen muss man das Geschäft führen.“ 

Nur so könne man – vielleicht etwas zeitversetzt – eventuelle Schwachstellen im Betrieb erkennen.

Doch natürlich besuchen nicht nur die neuen Mitarbeiter die Denzel-Akademie: Auch Erfahrene kommen in regelmäßigen Abständen dorthin, um die Prozesse aufzufrischen. Ein Großteil des Lehrpersonals kommt von Denzel selbst und ist nun hauptberuflich als Lehrer tätig. 

Geleitet wird die Akademie von Dagmar Muster, die seit 6 Jahren bei der Wolfgang Denzel Auto AG tätig ist: „Sie hat die Akademie von null an aufgebaut und alles im Detail erdacht“, erzählt Strassl: Außerdem habe Muster auch die Schulbücher gemeinsam mit den Fachkollegen verfasst. Vier fixe Mitarbeiter sind an der Denzel-Akademie tätig, dazu kommen bei Bedarf auch externe Lehrende. 

Ob auch weitere Betriebe gekauft werden? „Derzeit ist nichts geplant“, sagt Strassl: Aber da die Kfz-Branche europaweit in Bewegung sei, könne sich das durchaus ändern. „Es ist ja vor allem für Betriebe mittlerer Größe nicht leicht, die Fixkosten zu decken.“ Und durch die Elektromobilität und deren Einfluss gebe es auch geringere Margen. Natürlich sind derartige Prozesse auch bei den Importmarken (Mitsubishi, Hyundai, MG, Maxus) wichtig.

Nicht zu vergessen auf die Denzel Bank, die neben der Lagerfinanzierung für die Händler auch die Fahrzeuge der Kunden finanziert. Und Autoplus Reifen hätte ohne genau definierte Prozesse im Vorjahr wohl nicht 800.000 Reifen für 2.500 Kunden aus dem Auto- und Reifenhandel verkauft. Dazu kommt noch Autoplus Zubehör mit all seinen Facetten und Saubermacher Battery Services, wo sich Händler über ein Abo verschiedene Leistungen holen können: „Das ist viel günstiger, als wenn man diese Investitionen selbst tätigt“, meint Strassl.

Auch beim Recycling von Batterien von Elektroautos läuft natürlich alles nach genau definierten Prozessen ab: Damit es am Ende keine negative Überraschung gibt.