Keine Ahnung, ob Donald Trump je am Bazar in Marrakesch oder Istanbul gefeilscht hat. Eher nicht, wenn man sich die Vita des verhaltensauffälligen amerikanischen Präsidenten anschaut – das passt nicht zu einem Immobilienspekulanten wie ihm. Doch das Feilschen hat er gelernt: Und mit welcher Sicherheit er in die Verhandlungen mit der EU (aber auch mit Japan und anderen Staaten) gegangen ist, kann einem schon Respekt abnötigen (tut es in meinem Fall aber nicht).
Kommen wir zurück in den orientalischen Bazar: Nehmen wir an, Herr Trump würde sich für eine Wasserpfeife interessieren, für die der Händler 50 Dollar verlangt. Wetten, dass Trump mit 15 Dollar kontern würde. Bei 25 Dollar würden sich die beiden einigen – und der Händler würde glauben, dass das noch immer besser sei als das ursprüngliche Angebot.
Genauso ist es nun der europäischen Autoindustrie ergangen: Zölle in der Höhe von 15 Prozent sind noch immer besser als der 30-prozentige Aufschlag, den Trump zuvor gefordert hatte. Mag sein, dass 15 Prozent für einen Sportwagenhersteller mit hohen Margen wie Porsche leichter verkraftbar sind. Doch für Massenproduzenten wie Volkswagen sind 15 Prozent in der Kalkulation schwierig (bis gar nicht) unterzubringen. Einen Teil davon werden also die US-Konsumenten zahlen. Nachsatz: Wenn sie dazu bereit sind.
Natürlich werden schon seit Jahren viele Autos europäischer Hersteller jenseits des großen Teichs gefertigt (und zum Teil auch wieder von dort nach Europa exportiert). Doch das ursprüngliche Modell mit den Fabriken in Mexiko ist gehörig ins Wanken geraten, zumal der erratische US-Präsident auch bei Importen von dort massive Zölle kassiert (wie auch das Kapitel Kanada, wo ebenfalls viele Autowerke stehen, noch nicht abgeschlossen ist).
Wetten, dass auch die Sache mit der EU noch nicht ausgestanden ist? Auch wenn manche mit den 15 Prozent an Zöllen vorerst zufrieden scheinen: Das große Jammern wird spätestens bei den nächsten Bilanzen eintreten. Und auch Mister Trump ist nicht gerade für seine Vertragstreue bekannt, um es vorsichtig auszudrücken.
Aber zumindest haben wir jetzt einmal einen Vertrag: Es hätte noch viel schlimmer kommen können!
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