Werkschließungen und Stellenabbau sind zentrale Elemente der von bedeutenden europäischen Fahrzeugherstellern – auch in Österreich – angekündigten Sparprogramme.

Damit droht auch österreichischen Zulieferern Ungemach: Über 900 Betriebe mit mehr als 81.000 Mitarbeitern hängen direkt an der deutschen Automobilindustrie. 

Die Automobilzuliefererindustrie in Österreich wie in ganz Europa ringe inmitten der elektromobilen Transformation um ihre globale Wettbewerbsfähigkeit, wie aus einer Studie von Stratgy& hervorgeht. Im vergangenen Jahr wären die europäischen Zulieferer demnach zwar auf 20 Prozent Weltmarktanteil gekommen, allerdings bedeute das lediglich ein Wachstum von 0,9 Prozentpunkten. Deutsche Zulieferer hätten sogar einen weiteren Verlust von 1,4 Prozentpunkten im Vergleich zu 2020 hinnehmen müssen. Demgegenüber blühe das Geschäft der chinesischen Zulieferer auf: Sie hätten ihren globalen Marktanteil im gleichen Zeitraum mit einem Zuwachs von 4,2 Prozentpunkten fast verdoppeln können und seien 2023 bereits auf fast 10 Prozent Weltmarktanteil gekommen. 

Wer E-Autos verkaufen wolle, brauche einen starken Heimatmarkt, meinte CAR-Professor Ferdinand Dudenhöffer im ORF-Interview: „Wenn ich Heimspiele verliere, habe ich ein großes Problem“: weil die Politik das E-Auto auf die Standspur gestellt und alle Unterstützungen rausgenommen habe. Das führe zu stetig kleiner werdenden Marktanteilen“. 

Seit geraumer Zeit haben Händler darauf hingewiesen, dass sich Teile des Produktsortiments als nicht kundengerecht oder unattraktiv erwiesen, E-Modelle zu teuer, fehleranfällig oder veraltet. Diese Alarmsignale der Sensoren auf dem Markt – wurden von manchen Herstellern konsequent ignoriert. Obwohl der Handel immer wieder darauf drängte, auch leistbare Ware in einem breiten Sortiment anzubieten, dünnten einige Hersteller dieses Segment konsequent aus. Gleichzeitig lassen von diversen Herstellern angekündigte günstige E-Autos auf sich warten. Doch gerade diese Fahrzeuge braucht der Handel – oder der Hersteller, der auf Agenturvertrieb umstellt  – aber wie einen Bissen Brot: Sie holen nicht nur Publikum in die (virtuellen) Schauräume, sondern  sorgen für entsprechende zukünftige Werkstattauslastung.

Hingegen scheint die Strategie mancher (Premium)-Hersteller, ihren Kunden die gesamte Antriebs-Palette für praktisch alle Modelle anbieten zu können, ohne dabei ausschließlich auf reine Batterieautos zu schielen, erfolgreich aufzugehen: Deren Kunden können bestimmen, mit welchem Antrieb sie unterwegs sein wollen – und kriegen die Ware geliefert – ohne Wenn und Aber. 

Im krassen Gegensatz dazu muss manch einstiger Big-Player, nach Ausdünnung seines Modellsortiments und übereifriger, ausschließlicher Orientierung Richtung E-Mobilität, hektische Kurskorrekturen vornehmen, um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. 

Wer nicht hören will muss fühlen: Was die Autowerke jetzt zu spüren bekommen, ist für viele Händler nämlich schon seit einer gefühlten kleinen Ewigkeit bitterer Alltag.

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