„Wir haben zu wenige Ladesäulen“, „Ich weiß nicht, wie viel ich an der Ladesäule bezahle“ – es sind nur zwei der wohl meiststrapazierten Sätze, die man rund um die E-Mobilität auch heute noch hört. Die Faktenlage sieht dabei aber ganz anders aus, wie auch Zahlen von AustriaTech zeigen. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur geht also schneller voran als man es den Leuten manchmal glauben machen will.

Nur zum Vergleich: in Österreich gibt es für etwa 5 Millionen Verbrenner knapp über 2.800 Tankstellen mit, je nach Größe, 4-8 Zapfsäulen. Im besten Fall also etwas mehr als 22.000 Zapfpunkte. Mit Stand Jänner 2026 für 265.000 Fahrzeuge (BEV & PHEV) über 36.000 öffentliche Ladepunkte – Tendenz steigend. Ja, laden dauert aktuell noch länger als tanken. Betonung auf "noch".

„Aber bei mir nicht"

Auf Hauptverkehrsrouten wie West- oder Südautobahn, kann man heute fast nicht mehr „nicht laden“. Bei fast jeder Raststation oder entlang der etwaigen Abfahrten der verkehrsstarken Routen A1 und A2 gibt es heute schon HPC-Ladeparks mit 8 oder mehr Ladepunkten. Ja, mancherorts geht sicher noch mehr. Gerade auf den diversen Schnellstraßen oder auch Autobahnen wie A3, A4, A5 oder A22. Aber die Mär von der fehlenden Ladeinfrastruktur, zumindest entlang von Hauptverkehrsrouten, geht heute einfach nicht mehr auf. 

Kritiker werden jetzt sagen „Aber bei mir in St. Hinterdorf am Walde nicht“ – mag sein, aber auch dort werden die Möglichkeiten kommen. Denn es ist nur logisch, dass vom höherrangigen Straßennetz nach unten gebaut wird, denn CPOs wollen mit ihren Ladesäulen auch Geld verdienen. Und das schafft man natürlich nur mit Masse. Und, dass es bei Ihnen vielleicht noch keinen HPC-Ladepunkt gibt, liegt an gleich zwei ganz anderen Problemen. Dazu aber gleich mehr.

"Ich weiß ja gar nicht, was das kostet“

Geld ist in der Mobilität ein bestimmendes Thema. Während aktuell vor allem die hohen Spritpreise mediale Wellen schlagen, hält sich in der E-Mob-Bubble hartnäckig der Mythos, man „wisse ja gar nicht, wie viel man pro kWh bezahlt“. Und ja, mich trifft bei der Zufahrt zur Ladesäule aktuell sicher nicht so der Schlag, wie bei der Zufahrt zu einer Zapfsäule, aber auch hier versuchen CPOs bereits Abhilfe zu schaffen und mit großen Preis-Anzeigetafeln den aktuellen kWh-Preis plakativ auszuschildern. Aber braucht es das aktuell überhaupt? Der Strompreis an den Ladesäulen ist bei weitem nicht so volatil wie jener von Benzin oder Diesel.

Das beweist auch mein kleiner (nicht representativer) Test im südlichen Niederösterreich. Auch ohne großen Ausschilderungen konnte ich bei jeder der 8 angesteuerten Ladesäulen den aktuellen Preis pro kWh ganz einfach ablesen. Er schwankte je nach Anbieter übrigens von 0,49 Cent bis 0,79 Cent pro kWh. Wer es also wissen will, der bekommt auch eine Antwort. Am einfachsten übrigens an den Bezahlterminals für Kredit- oder Bankomatkarte – dort, wo man den Preis erwarten würde, wenn man danach sucht.

Und der ist sowieso nur dann relevant, wenn man nicht sowieso eine Ladekarte eines CPOs hat. Dann denkt man darüber nämlich gar nicht mehr nach, weil man eh weiß, wo man am billigsten laden kann. 

Wenn man also allerorts bei Podiumsdiskussionen und Gesprächen immer die gleichen 2 oder 3 Argumente hört, muss man sich fragen, ob sich diese Personen mit der Materie auch wirklich beschäftigt haben oder ob hier einfach Mythen wiedergegeben werden, die halt "gut klingen".

Zugegeben, die beiden angesprochenen Mythen haben indirekt aber mit zwei Problemen zu tun, bei denen aktuell wirklich der Schuh drückt. Von denen der Fokus aber leider oft abrückt. Vermutlich, weil sie nicht ganz so sexy sind, wie die angesprochenen "Argumente".

Infrastrukturausbau muss zukunftsfit sein

Punkt 1 ist der Ausbau des Stromnetzes. Vielerorts würden CPOs gerne Ladepunkte anbieten, einzig an der vorhandenen Energie-Infrastruktur scheitert es. Auch wieder aus dem eigenen Umfeld kenne ich gleich zwei Ausbauprojekte, die zwar vor kurzem endlich gestartet sind, aber teils mehr als 12 Monate auf die entsprechenden infrastrukturellen Rahmenbedingungen der Netzbetreiber warten mussten. Die Aussage des Netzbetreibers war schlichtweg: "Das macht für uns noch keinen Sinn dort X oder Y auszubauen." – das Angebot regelt allerdings die Nachfrage. Je einfacher der Zugang zu Ladepunkten, gerade im ländlichen Raum, wird, desto eher werden potenzielle Autokäufer auf ein E-Auto umsteigen. Und die besagten neuen Ladepunkte sind übrigens ganz plötzlich sehr gut frequentiert. 

Hier braucht es definitiv mehr Schnelligkeit und einfachere Genehmigungsverfahren, wenn man Schritt halten will. Wohl auch, weil wir aktuell noch über kleine Mengen an Strom sprechen im Vergleich dazu, was auf das Netz zukommt, wenn es auch immer mehr Lademöglichkeiten für den Schwertransport geben muss. Der Hoffnungsfunke: die Regierung plant in diesem Bereich scheinbar eine Erleichterung der Genehmigungsverfahren.

Weniger Bürokratie = schnellerer Ausbau

Denn Genehmigungen bzw. die Bürokratie sind der zweite große Hemmschuh des Ausbaus. Nicht nur alles rund um Energieinfrastruktur, sondern auch andere Dinge, rund um den Ausbau der Infrastruktur. So zum Beispiel die Ausschilderung von Preisen. Ein CPO kann nicht einfach eine hohe Tafel aufstellen, um den Preis auszuschildern. Dafür braucht es ebenso Genehmigungen, wie zum Beispiel auch jegliche Ausbauten rund um den eigentlichen Ladepunkt wie Wartehäuschen, WC-Anlagen oder Snack-Automaten.

Die Genehmigungsverfahren, die ein CPO heutzutage durchlaufen muss, bevor er auch nur einen Meter Kabel verlegen kann, sind umfangreich. Und werden aktuell nicht weniger, denn, wie ich aus Gesprächen mit CPOs erfahren habe, wollen immer mehr Player, vom kleinen Gemeinderat über den Bürgermeister bishin zu Land, Bund und schlussendlich auch Netzbetreiber, mitbestimmen was wo wie und wann gebaut wird.

Es gibt also, abseits der noch immer vorhandenen ideologischen Verwerfungen, nur wenige Kritikpunkte, die dem Faktencheck wirklich standhalten. Und jene, bei denen wirklich Handlungsbedarf besteht, müssen stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken.

Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.