A&W: Volvo kam in den ersten 8 Monaten in Österreich auf 3.123 Neuzulassungen und einen Marktanteil von 1,47 Prozent, das ist ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem Vorjahr mit 2.587 Stück und 1,37 Prozent Marktanteil.

Magdalena Ebmer: Wir sind sehr zufrieden mit dem heurigen Jahr. Doch der Marktanteil ist nicht unsere einzige Betrachtungsweise, da wir ja auch Einblick in die Auftragseingänge haben. Und mit einem Plus von 21 Prozent bei den Zulassungen sind wir im Premiumbereich die am stärksten wachsende Marke. Wir gehen davon aus, dass es so weitergeht. Seit 2023 haben wir jedes Jahr davor übertroffen. Nun haben wir den EX60 bekommen und sehr, sehr viele Interessenten. Vor allem aufgrund der Roadshow, die wir im Februar und März gemacht haben, gibt es über 1.100 Interessenten, die dieses Fahrzeug Probe fahren wollten und das jetzt auch tun. Hier möchte ich ein ausdrückliches Lob ans Team aussprechen: Denn das beste Produkt bringt nichts, wenn man es nicht mit Kampagnen und Events auch erfolgreich auf den Markt bringt. Da hat unser Team extrem viel richtig gemacht, da es neben der Roadshow auch 2 große Events in Wien und Salzburg gab.

Hier waren auch die Händler voll involviert …

Ebmer: Ja, und sie sind es momentan umso mehr, da nun die 1.000 Testfahrten laufen und erfolgreich gebucht sind. Daher ist der EX60 momentan beim Auftragseingang mit Abstand die Nummer 1.

Wie viele EX60 wurden bereits verkauft und wann beginnt die Auslieferung?

Ebmer: Wir haben bis Anfang September bereits 1.100 Stück erreicht, wobei das eigentlich das Ziel bis Jahresende war. Im August und Anfang September haben wir alle Händler mit Vorführfahrzeugen und Schauraum-Modellen erstausgestattet, ab Oktober läuft die Auslieferung an die Kunden. Wir wollen heuer noch 350 bis 400 Stück ausliefern. Dieses Auto übertrifft unsere Erwartungen massiv: Auch wenn es im Juli und August etwas ruhiger war, gehen die Bestellungen beim EX60 weder massiv in die Höhe. Viele haben gewartet, bis das Auto im Schauraum steht. Da auch in anderen Ländern große Nachfrage herrscht, sind auch die Lieferzeiten gestiegen.

Hilft der EX60 auch beim Verkauf der anderen Elektroautos, also zum Beispiel beim EX30?

Ebmer: Ja, auch beim EX30 verkaufen wir heuer mehr als 2025. Das Auto läuft extrem solide und bringt viele junge Kunden, die wir zuvor noch nie bei Volvo hatten. Wie bei allen anderen Herstellern hilft uns auch hier die politische Situation, da die Elektromobilität sehr stark nachgefragt ist. Davon profitieren alle. Auch wenn wir den EX60 exkludieren, liegen wir bei der gesamten Palette über dem Vorjahr. Das spricht auch für unsere Händler, die eine gute Arbeit leisten – und für unsere loyalen Kunden.

Wie geht es bei den anderen Modellreihen weiter?

Ebmer: Die 40er-Modelle – also der XC40, der EX40 und der EC40 – werden mit dem neuen Modelljahr komplett erneuert, sowohl außen wie auch innen. Die Fahrzeuge werden ab dem Spätherbst produziert, die ersten Kundenautos werden noch vor Weihnachten bei den Händlern eintreffen. Auch bei den Plug-in-Modellen kommen Neuheiten: Die Reichweiten wurden deutlich gesteigert, und zwar auf maximal 200 Kilometer beim Volvo XC60 – das ist best of class – und bis zu 164 Kilometern beim Volvo XC90. Unsere Modellpalette wird 2027 noch frischer und interessanter.

Wie hoch ist der Anteil an elektrifizierten Fahr-zeugen bei Volvo in Österreich?

Ebmer: Rechnet man BEVs und PHEVs zusammen, dann waren es im Jahr 2025 bereits 66 Prozent. Heuer liegen allein bei den BEVs die Auslieferungen bei 35 Prozent, und unser Ziel ist es, 45 Prozent zu übertreffen. Das wird auch gelingen, denn bei den Auftragseingängen sind wir mit den BEVs heuer bereits bei über 60 Prozent. 

In den vergangenen Jahren habe ich ein bisschen den Überblick verloren, wo die Fahrzeuge von Volvo produziert werden: Wie viele kommen aus Europa?

Ebmer: Wir arbeiten nach dem Motto „Build where you sell“. Von den Autos, die bei uns in Österreich verkauft werden, kommen nur zwei nicht aus europäischer Produktion, nämlich der ES90 aus China und der EX90 aus den USA. Zu den wichtigen europäischen Werken Torslanda und Gent kommt 2027 noch die neue Produktionsstätte in Kosice dazu. Das ist wichtig für uns, denn die Lieferzeit aus der Slowakei wird nur sieben Tage betragen und generell legt man bei Volvo auf das Thema Nachhaltigkeit großen Wert. Von den 695.000 Volvo-Fahrzeugen, die 2025 produziert wurden, kamen 86 Prozent aus Europa.

Seit vielen Jahren gehört Volvo zum chinesischen Geely-Konzern: Ist Volvo eigentlich noch eine schwedische Marke?

Ebmer: In Schweden arbeiten 4.000 Menschen, und wir haben neben Forschung und Entwicklung auch ein starkes schwedisches Management: Der chinesische Eigentümer ist eher im Hintergrund. Doch der Vorteil liegt in der Technik, die man teilen kann, was vor allem bei den Batterien sehr wichtig ist. Die schwedische Kultur ist noch tief in Volvo verankert, darum arbeiten wir ja auch so gern bei Volvo.

Wie viele Standorte hat Volvo in Österreich?

Ebmer: Wir haben 20 Eigentümer mit 27 Outlets, dazu kommen über 50 Werkstätten. Damit haben wir ein sehr solides Netz: Kein Kunde muss eine weite Strecke fahren. Daran wird sich nichts ändern.

Ein wichtiges Thema ist die neue CI: Wie ist hier der Stand der Dinge?

Ebmer: Wir sind heuer gestartet und versuchen, eine gute Balance zu finden: Wir reißen keine Böden heraus! Wichtig ist, dass das neue Design modern, frisch und nachhaltig ist. Wir sind mit 8 Partnern gestartet, sind aber noch in der Konzeptionsphase und werden Ende des Jahres erste Ergebnisse sehen. Wir haben so viele Anfragen von Händlern, dass wir es mit unseren Kapazitäten gar nicht abdecken können: Doch 2027 wird ein wichtiges Jahr in der Umsetzung und 2028 wollen wir fertig sein.

Nachdem Polestar sein Vertriebssystem umgestellt hat, sind viele Volvo-Partner jetzt auch für Polestar zuständig: Ist das nicht eine zusätzliche Konkurrenz im eigenen Haus?

Ebmer: 9 unserer Händler sind als Agenten für Polestar tätig, und 31 als Servicepartner. Doch Pole-star spricht eine andere Zielgruppe an, und unsere Händler bestätigen das. Wir haben die Erfahrung, dass Polestar vor allem Tesla-Kunden anspricht.

Und bald kommt mit Lynk & Co der nächste Mit-ewerber: Wie ist hier der aktuelle Stand?

Ebmer: Wir übernehmen in Österreich ab 1. Jänner 2027 die Distributoren-Funktion, und die völlig andere Systemlandschaft von Lynk & Co wird in die Volvo-Struktur integriert. Wie viele unserer Händler auch Lynk & Co anbieten werden, kann ich noch nicht sagen. Aber es wird ein eigenes Team für Lynk & Co in unserem Haus geben. Wir sehen das als positiven Schritt, da mit Lynk & Co eine Markt-eroberung im günstigeren Preissegment geplant ist.