Jungfräuliche Statistikblätter, wie es sie jedes Jahr am 1. Jänner (und etwas abgeschwächt am jeweiligen Monatsersten) gibt, sind eine spannende Sache: Da können alle hineininterpretieren, was sie wollen. Jeder einzelne Importeursvertreter sitzt vor seinem Computer und befüllt die Tabelle mit Daten, wie er denn gerne 12 Monate später abschneiden würde. Oder abschneiden muss - nach den Vorgaben aus dem jeweiligen Hauptquartier.

Dann werden diese Daten, heruntergebrochen auf dasjeweilige Einzugsgebiet, auf die einzelnen Händler (oder Retailer) aufgeteilt. Diese sitzen haareraufend vor Zahlen, die sie erfüllen müssen, um ihre Boni zu erhalten. Und die sie auch im eigenen Interesse erfüllen sollten, um a) die Werkstätten in den kommenden Jahren auszulasten und b) die Mitarbeiter zu bezahlen.

Doch heuer ist es so schwierig wie noch nie: Es sind die schon vor Jahren beschlossenen CO2-Vorgaben der EU, die der Branche das Leben erschweren, und zwar jedem einzelnen. Die Elektromobilität hat sich nicht so schnell entwickelt wie damals prognostiziert, und so drohen Strafzahlungen, wenn die vorgeschriebenen Ziele nicht erreicht werden.

Der Druck der Hersteller, die die insgesamt rund 15 Milliarden Euro natürlich nicht bezahlen wollen, wird an die jeweiligen Importeure weitergegeben. Diese schreiben ihren Händlern heure einen deutlich höheren Anteil an Elektroautos vor. Auch wenn es mittlerweile deutlich mehr bezahlbare E-Autos gibt als noch vor zwei, drei Jahren, sind viele Autofahrer noch immer nicht bereit zum Umstieg. Hier ist Aufklärung gefragt, denn in sehr vielen Fällen sind E-Autos tatsächlich schon eine Alternative zu den Verbrennern.

Unter den Händlern trennt sich momentan die Spreu vom Weizen: In jene, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und ihr Möglichstes tun, der E-Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen (was unser Planet dringend braucht) und in jene, die weiterwurschteln wie bisher. Bin gespannt, wie man in rund 10 Jahren auf diese Zeit zurückblicken wird!

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