„Eigentlich sind wir voll“, freute sich Martin Ullrich, Geschäftsführer der Messe Graz GmbH/Graz, bereits vor dem offiziellen Beginn der Messe im Rahmen eines Branchentreffs am Vormittag in der Messe. Denn die Ausstellerflächen in der Messehalle waren fast zur Gänze ausgebucht. „Die MotionExpo ist der beste Beweis dafür, dass Fachmessen über Jahre hinweg wachsen und an Stärke gewinnen können.

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Viele kommen mit klarem Interesse zu speziellen Neuwagenmodellen und sind von der Vielfalt beeindruckt – das ist das beste Kompliment, das wir bekommen können“, so Ullrich. Und der Besucherandrang bereits am Freitagnachmittag zeigte gut, wohin die Reise an dem Wochenende gehen würde. Die Besucher konnten an drei Tagen insgesamt 450 Neuwagen-Modelle bei mehr als 100 Ausstellern begutachten.

Mit dabei waren auch einige Österreich-Premieren. Und auch zahlreiche neue Marken. Darunter auch die beiden chinesischen Marken Chery und GAC, die zwar bisher keinen Importeur und somit auch noch keine Fahrzeuge auf den heimischen Straßen haben, damit aber in Kürze starten wollen.

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Bereits am Vormittag traf sich die Kfz-Branche in einem Teil der Grazer Messe für vier Podiumsgespräche zu den Themen E-Mobilität, Autoindustrie, Autonomes Fahren und die kürzlich eröffnete Koralmbahn. 

Branchentreff mit interessanten Themen

Günther Kerle, Sprecher der Automobilimporteure erklärte bei seinem Podiumsgespräch mit Philipp Wieser (AustriaTech, Olé) und Markus Wildeis (CEO, Stellantis Österreich), dass er eine klare Tendenz in Richtung E-Mobilität sehe. Es gäbe aber weiterhin Aufgaben zu erledigen. Wie zum Beispiel den Ausbau der Ladeinfrastruktur und die transparente Preisausschilderung an der Ladesäule. 

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Markus Wildeis sieht in der aktuellen geopolitischen aber auch wirtschaftlichen Situation der europäischen Industrie einen Schlüsselmoment: "In den kommenden Monaten und Jahren wird sich entscheiden, ob wir Wettbewerbsfähig bleiben können, oder nicht." Er sieht die Gefahr, dass die europäische Autoindustrie das "Nokia-Schicksal" ereile, wenn man bestimmte Entwicklungen verpasst.

Für E-Mobilitätsexperte Philipp Wieser von Austria Tech sprechen die respektablen Zahlen in Sachen Neuzulassungen und Infrastrukturausbau eine klare Sprache. Den teils überschwänglichen Enthusiasmus der Anfangszeit habe man überwunden und würde nun rationaler an die Sache rangehen. "Ich glaube wir haben einen planbaren Hochlauf geschafft und können jetzt genauer auf die Stellschrauben schauen, die man noch drehen muss. Da gehört sowohl die EU-Ebene, als auch die nationale Ebene dazu", so Wieser, der es begrüße, dass die Emotionalität in dem Thema zurückgegangen ist.

Technologieoffenheit ist eine Kostenfrage

Beim Panel zum Thema Autoindustrie waren sich die Diskutanten Stefan Rohringer (Head of Research & Development, Infineon), Christoph Schneider (Senior Counsellor für Wirtschaftspolitik, IV), Stefan Seidel (Vorstand, Pankl Racing Systems) und Markus Tomaschitz (Chief Human Ressources Officer und Unternehmenssprecher, AVL List) einig, dass die Transformation in vollem Gange ist. Aber man wolle sie mitgestalten. "Der Hebel den wir in Europa haben, ist Innovation", sagt Stefan Rohringer.

Für Christoph Schneider, der im Vorfeld des Panels einen Impulsvortrag zur wirtschaftlichen Lage in der EU hielt, ist klar, dass es in der Autobranche eine enorme Chance gibt: "Allein in Österreich sehen wir, dass die Autoindustrie eine Wertschöpfung in der Höhe von 25 Mrd. Euro im direkten und 40 Mrd. Euro im erweiterten Sinn bringt. Da gibt es viel Potenzial."

Stefan Seidel kritisiert hingegen, dass einige die E-Mobilität als alleiniges Allheilmittel sehen: "Wir begeben uns mit der E-Mobilität in eine unglaubliche Abhängigkeit von China und da müssen wir extrem aufpassen." Er verstehe die Entwicklung der E-Mobilität und sieht diese auch "als wichtigen Schritt", es könne aber nicht der einzige Schritt sein, den man geht.

Die Technologieoffenheit sei ein großes Thema in der europäischen Industrie. Doch diese ist nicht einfach zu leben, weiß auch Markus Tomaschitz: "Technologieoffen zu sein, bedeutet auch, dass man in verschiedene Richtungen entwickeln müsse, weil man jede Technologie anbieten muss. Das ist eine Kostenfrage."

Mit der Bahn und ohne Fahrer

Im Panel rund um die Koralmbahn und das autonome Fahren, ging es vor allem um die erste und letzte Meile von und zum Bahnhof. Um innovative Projekte zu finden müsse man dabei nicht über den großen Teich blicken. Auch in Österreich gibt es bereits laufende Projekte. Einzig die gesetzlichen Regulative sind hier noch ein Hemmschuh.