Das Phänomen gilt natürlich nicht nur für die Hauptstadt, sondern bis in mittelgroße Ansiedlungen „auf dem Land“ hinein: Genehmigungen für Lackierbetriebe werden in vielen Gemeinden an zentraler gelegenen Standorten praktisch nicht mehr erteilt; dazu kommt, dass bestehende Auflagen streng – manche Unternehmer klagen: geradezu schikanös – kontrolliert und empfindliche Strafen verhängt werden.

Jeder hat’s gern ruhig, will keine Geruchsbelästigung und, siehe Fachkräftemangel, auch sich selbst immer seltener die Finger schmutzig machen. Stadtbewohner haben ein Recht darauf, dass sich ansässige Unternehmen an geltende Regeln halten. Gleichzeitig wollen sie aber weiterhin das „Pickerl“ oder das Reifenumstecken bequem in der Nähe innerhalb der Stadtgrenzen erledigen lassen können. 

In den Städten des Mittelalters mussten die Handwerksgilden geballt in einzelnen Stadtbezirken arbeiten. Davon zeugen bis heute alte Straßennamen, und geruchstechnisch hat man anno dazumal wohl lieber in der Bäckerstraße als in der Gerbergasse gewohnt.

Es scheint mir ein gefährlicher Weg, dass die Cities manche Betriebe immer weniger dulden wollen und sozusagen eine lokale De-Industrialisierung (industria, lat.= Fleiß, eifrige Tätigkeit) betreiben. Denn nicht nur, dass das Verdrängen der handwerklichen Gewerbe dem Prinzip der „Stadt der kurzen Wege“ widerspricht, welches moderne Stadtplaner hochhalten. Wirtschaft ist naturgemäß mehr als nur als lärmarme, emissionsfreie und ökologisch nachhaltige Dienstleistung. Sie beginnt bei der Produktion, und sie braucht Reparaturtätigkeit, insbesondere wenn man um Nachhaltigkeit bemüht ist.

Robert Pollmann, Chef des gleichnamigen Autozulieferers im Waldviertel, brachte es in einem Interview, in dem es um die drohende De-Industrialisierung ging, wie folgt auf den Punkt: „Wir werden als Europa nicht davon leben können, dass wir uns  gegenseitig die Haare schneiden.“