Ich darf Ihnen an dieser Stelle mal wieder einen Schwank aus meinem Alltag erzählen. Ein Umstand, der allerdings gravierendere und meiner Meinung nach systemische Probleme aufzeigt. Kurz zur Situation: Bei einem großen Lebensmitteleinzelhändler im Nachbarort gibt es eine Ladesäule mit zwei Ladepunkten zu je 120 kW. Perfekte Position, möchte man meinen. Leider funktioniert die Ladesäule nicht mit einer der gängigen Ladekarten von verschiedenen Anbietern. Lediglich Kredit- oder Bankomatkarte wird unterstützt. „Wo ist das Problem?“ werden Sie sich jetzt fragen. Nun, der Teufel steckt im Detail.
Grundsätzlich ist es mal gut, dass es eine Ladesäule gibt. Sogar eigentlich gut gelegen, an einem neuralgischen Punkt entlang der A2. Abfahren, anstecken und laden funktioniert hier mit ähnlich wenig Zeitaufwand wie bei Raststationen etc.
Doch nun kommen wir zu den Problemen:
1. Unauffindbarkeit
Die Ladesäule steht im letzten Winkerl des Parkplatzes hinter dem Geschäft. Wenn man nicht weiß, dass es sie gibt, würde man nicht zufällig darüber stolpern. Vor allem auch, weil sie in den gängigen E-Charging-Apps schlichtweg nicht aufscheint. Nutzerfreundlich ist das nicht und zudem verpasst man potenzielle Kunden. Was mich zum 2. Punkt bringt.
2. Realitätsfremd
Schauen wir uns die Realität an. Die meisten E-Auto-Nutzer im Land sind Fuhrpark-Fahrzeuge. Die meisten nutzen, ähnlich wie wir beim A&W Verlag, vorgegebene Ladekarten. Vor allem auch, weil diese ja auch zur Abrechnung für die Firmen deutlich einfacher sind, als regelmäßig Kredit- oder Bankomatkarten-Rechnungen an die Buchhaltung schicken zu müssen. Ja natürlich, für einzelne Anwender mag die Kredit- oder Bankomatkartenzahlung ausreichen, für viele aber nicht.
Was bringt's, wenns keiner kennt?
Was mich zum systemischen Problem bringt. Denn geförderte Ladeinfrastruktur ist begrüßenswert und notwendig. Aber nur dann, wenn sie auch genutzt wird. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich an dieser Ladesäule im vergangenen Jahr noch nie ein Auto gesehen habe. Wohl, weil die wenigsten wissen, dass sie existiert.
Darum braucht es regulatorische Vorgaben für Ladesäulen, um sie auch wirklich für alle sichtbar und zugänglich zu machen. Wir E-Fahrer sind das Hantieren mit einer App gewohnt. Aber das bringt nichts, wenn die Ladesäule dort nicht auftaucht. Dass durch Steuergeld geförderte Ladepunkte von regionalen Betreibern aufgestellt werden, nur damit man entweder einen Abschreibposten in der Bilanz hat, oder um sich ein vermeintlich „grünes Pickerl“ zu verpassen, davon hat wirklich niemand etwas.
Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.
