Ich bin zugegebenermaßen ein Methusalem in der Autobranche. Ein Benzinbruder, der den alten Verbrennern nachtrauert. Zuletzt fuhr ich einen Diesel, der mir – fern aller Umweltgedanken – als besonders sparsam angeboten wurde. Inzwischen kostet der Diesel, trotz seines steuerlichen „Privilegs“ von 8,5 Cent, an der Zapfsäule 2 Euro: Um 30 Cent mehr als Normalbenzin. Verbrauchsarm ist der Diesel noch immer – aber bei solchen Dieselpreisen kann von „sparsam“ keine Rede mehr sein. Weil ich nicht hinter dem Mond erscheinen wollte, habe ich mich nun für etwas „Elektrisches“ entschieden. Leider gehöre ich nicht zu der bevorzugten Klasse, die ihr Auto zu Hause in der Garage elektrisch laden kann. Auch das Privileg eines angenehmen Dienstarbeitsplatzes mit stets frei verfügbarer Lademöglichkeit habe ich nicht. Um mein – nicht sehr ausgeprägtes – grünes Gewissen dennoch zu beruhigen, fiel meine Wahl auf einen Plug-in Hybrid – als „das Beste zweier Welten“.
Bei der Fahrzeugübernahme wurde mir alles erklärt und gezeigt – nur nicht, wie man ihn lädt. War auch nicht nötig, denn er war schon vollgeladen. Das heißt, ich konnte mit ihm vollelektrisch siebzig Kilometer fahren. Um ihn zu Hause an der Ladestation elektrisch erneut voll zu tanken. Dafür hat unsere Wohnanlage – rund 350 Wohnungen – gemeinsam mit der EVN im Freien zwei (!) E-Zapfsäulen hingestellt. Allerdings ohne Ladekabel – das müssen die fortschrittlichen Kunden schon selbst mitbringen.
Ich habe das etwas unhandliche, mehr als drei Kilo wiegende Trumm aus dem Kofferraum gehievt und mich ans Laden gemacht. Laut Herrn Google musste ich dafür die entsprechende EVN-App auf mein Handy laden. Mithilfe meiner Kreditkarte sollte ich einen via Internet übermittelten QR-Code einscannen. Bloß wie? Wie kann ich – ohne Zweitgerät – einen auf mein Handy übermittelten QR-Code gleichzeitig auch einscannen? Mein Anruf bei der EVN-Lade-Hotline brachte mich auch nicht weiter: Freitag – siebzehn Uhr Dienstschluss; Hilfe erst bei Dienstbeginn Montag früh.
Meine Alternative: Das EVN-Servicebüro, auch samstags bis zwölf offen. Dort wurde mir klar gemacht, dass ich zum Laden jedenfalls einen EVN-Ladevertrag benötige, mit dem ich eine EVN-Ladekarte bekomme. Gesagt – getan. Doch trotz Vertragsunterschrift wurde ich hinsichtlich der Ladekarte vertröstet. Diese seien im Büro gerade ausgegangen – meine werde mir umgehend von der EVN-Zentrale per Post zugesandt.
Doch die Ladekarte kam nicht. Um nicht ganz stromlos zu bleiben, hat mich nach einer Woche das Autohaus Göndle als Zwischenlösung mit einer BMW-Ladekarte versehen. Mit ihr wagte ich einen neuen Ladeversuch – der auch auf Anhieb funktionierte. Von der EVN-App wurde ich überdies umgehend informiert, was mich dieses neuerliche Volltanken für weitere siebzig Kilometer gekostet hat. Mit einer unangenehmen Überraschung: Die Ladegebühr war etwa gleich hoch wie die Standgebühr – die nur bei einer EVN-Ladekarte nicht angefallen wäre.
Einen Monat und drei Urgenzen später hatte ich die beantragte EVN-Ladekarte tatsächlich in Händen. Meine EVN-Erfahrung ist offenbar kein Einzelfall. Das Bezahlen an öffentlichen Ladesäulen sorgt weiterhin für Frust. Das zeigt sich auch in der neuen repräsentativen „Charging Payment Studie 2026“ der UScale GmbH in Deutschland. Ladekarten und Lade-Apps dominieren den Alltag. Trotz vieler Bezahlmöglichkeiten an der Ladesäule erfüllt keine Methode die Erwartungen der Nutzer vollständig. Komfort, Transparenz, Einfachheit und Kostenkontrolle konnten bisher nicht unter einen Hut gebracht werden. Convenience als Schlüssel zur Kundenzufriedenheit schaut anders aus. Mehr Auswahl bedeutet nicht automatisch mehr Zufriedenheit. Offensichtlich besteht im Payment-Ökosystem rund um das Laden ein erheblicher Verbesserungsbedarf. Mängel, die einen flotteren Wechsel zur E-Mobilität deutlich bremsen.
