Laut Rohdaten von Statistik Austria wurden im Juli 18.904 Pkw neu zugelassen, was einem Plus von 7,6% im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht und auch die Gesamtjahresbilanz ergibt derzeit einen Zuwachs von 6,7% oder 9.761 Einheiten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Doch die Ursache für das Zulassungswachstum war wohl nicht die plötzlich gestiegene Nachfrage: Die „Schuld“ am derzeitigen Überangebot dürften wohl „technische“ Neuzulassungen aufgrund der ab 6. Juli in Kraft getretenen EU-Verordnung über zusätzliche verpflichtende Assistenzsysteme tragen.
Nur so lässt sich das Überangebot an jungen Fahrzeugen, die derzeit günstig anboten werden, erklären. Diese Pkw, die das System finanziell belasten, müssen jetzt erst einmal auf die Straße gebracht werden. Eine schwierige Aufgabe, wenn die Kauflust verunsicherter Kundinnen und Kunden schon seit Längerem äußerst gedämpft ist.
Das hat seine Gründe: Wie aus einer aktuellen ORF-Umfrage hervorgeht, dominieren in Österreich laut 84 Prozent der Befragten die Themen Teuerung und Inflation, erst dahinter folgten Gesundheit, Sicherheit und Kriminalität, Migration oder der Klimawandel. Hohe Zinsen machen momentan Finanzierungen für Privat- wie Firmenkunden unattraktiv. Gleichzeitig spiegelt auch die massiv in die Höhe geschnellte Zahl der Unternehmensinsolvenzen nicht nur die derzeit triste Wirtschaftslage wider. Pleiten spülen unvorhergesehen auch Leasingrückläufer ins Autohaus, die den Gebrauchtwagenplatz – zusätzlich und unerwünscht – auch mit hochpreisigen E-Autos – „bereichern“.
So verstopft das derzeitige Fahrzeug-Überangebot vorprogrammiert auch die „Pipeline“ für Neuwagen: Die Summe der Mengen übersteigt schlicht den Kundenbedarf; solch ein Volumen wird trotz attraktiver Preise nur zögerlich abfließen.
Das 2. Halbjahr dürfte also vermutlich ein schwieriges werden: Hersteller könnten, zumal wenn bereits bestellte Fahrzeuge, die immer teurer werden, wegen schwacher Nachfrage bis dahin nicht wie geplant abfließen, zu Jahreswechsel zum altbewährten „Marketinginstrument“ der Kurzzulassung greifen und damit den (Absatz-)Druck auf den Fahrzeughandel wieder erhöhen, bevor neue politische „Impulse“ nach der Wahl greifen.
Euphorie scheint angesichts der bis dato erzielten Ergebnisse nicht angebracht. In naher Zukunft angesagt sind wohl eher gründliches Abwägen zusätzlicher Bestellungen, präzise Kostenkalkulation und kühles Rechnen.
