Man sieht sie schon von Weitem, die 4 Schlote des Kraftwerks in Wolfsburg: Immer wieder modernisiert, versorgt es seit den frühen 1960er-Jahren das Volkswagen-Werk mit Energie. Direkt daneben ist die „Autostadt“, je ein Pavillon pro Marke des Konzerns – und dort sprachen Vorstandsvorsitzender Oliver Blume und Finanzchef Arno Antlitz heuer wieder zu Journalisten, auch 3 österreichische Medien waren vor Ort.

Vieles davon, was an diesem kalten Dienstag im März gesagt wurde, hatte Blume bereits am Abend davor in vertraulichen Gesprächen im Pavillon von VW Nutzfahrzeuge erzählt (und auch noch viel mehr). Auch andere Vorstandsmitglieder waren anwesend, und da setzt man sich dann mit VW-Chef Thomas Schäfer in den künftigen ID. Polo und bekommt viele Details erklärt (die man aber noch nicht schreiben darf). Auch fotografieren ist verboten, dabei wären die 4 kleinen Elektroautos des Konzerns nebeneinander (ID. Polo, ID. Cross, Cupra Raval und Škoda Epiq), die heuer im 3-Monats-Abstand auf den Markt kommen, ein schönes Motiv gewesen ... 

Die Pressekonferenz am nächsten Morgen wird von offenen Worten dominiert: Auch wenn man in den vergangenen Jahren sehr gute Arbeit geleistet habe, müsse man diesen Weg weiter intensivieren, erklärte Blume vor den Medien aus aller Welt. „Wir werden weiterhin jeden Stein umdrehen.“ Gleichzeitig sprach Blume von positiven Signalen: „Wir haben die Kosten in den 3 großen Fabriken in Deutschland in den vergangenen Jahren um 20 Prozent verbessert.“ Aber man müsse weiterarbeiten, „weil wir noch immer deutlich zu hohe Kosten haben“. Man schaue sich auch die Mitbewerber aus China an: „Da müssen wir gegenhalten.“ 

Laut Blume wird es nicht ausreichen, bis 2030 die geplanten 35.000 Stellen abzubauen, es wird wohl in Richtung 50.000 gehen, weil der Neuwagen-Absatz in Europa generell weiter schwächelt: „Das ist das, was die Märkte verlangen, da die Zahl der verkauften Neuwagen im Vergleich zur Zeit vor Corona um 15 Prozent zurückgegangen ist, das sind bei uns im Konzern 700.000 Einheiten.“ Daher werde es nicht reichen, dass man das Audi-Werk in Brüssel geschlossen habe und jenes in Dresden zu einem Forschungsstandort umbaue: „Beim Werk in Osnabrück sind wir noch lösungsoffen: Hier gibt es Gespräche mit Rüstungsunternehmen und wir wollen noch heuer bekanntgeben, wie es weitergeht.“

Konkrete Zahlen: Der Volkswagen-Konzern hat im Jahr 2025 weltweit 8.984.000 Neuwagen an Kunden ausgeliefert; das waren um 43.000 Einheiten bzw. 0,5 Prozent weniger als 2024. Produziert wurden von allen Konzernmarken im Vorjahr 8.866.000 Autos, das war ein Minus von 88.000 Stück im Vergleich zu 2024. Der weitaus größte Teil der abgesetzten Fahrzeuge, nämlich 5.125.000 Stück, entfiel auf die Markengruppe Core, zu der neben Volkswagen und VW Nutzfahrzeuge auch Škoda, Seat und Cupra gehören; 2024 waren von dieser Gruppe 4.960.000 Stück abgesetzt werden. In der Markengruppe Progressive (Audi, Lamborghini, Bentley, Ducati) wurden 1.145.000 Stück abgesetzt (+22.000), im Bereich Sport Luxury (Porsche) waren es im Vorjahr 266.000 Stück (nach 313.000 von 2024). Porsche hat vor allem in China massive Probleme, aber auch die Zölle in den USA belasten das Ergebnis, und zwar im -gesamten Konzern mit 5 Milliarden Euro.

Was passiert in den USA?

Trotz der Zölle, die dem Volkswagen Konzern im Vorjahr in den USA ein Absatzminus von 12 Prozent brachten, sieht Blume das Engagement in den USA nicht gefährdet: „Wir sehen perspektivisch Wachstum, auch wenn wir angesichts der Zollpolitik Druck verspüren.“ Die aktuell rund 4 Prozent Marktanteil seien absolut ausbaufähig, auch wenn sich ein Import von VW-Fahrzeugen aus der Fabrik in Mexiko derzeit wegen der Zölle bei vielen Fahrzeugen (27,5 Prozent) nicht lohne; bei Autos aus -Europa sind aktuell 10 Prozent Aufschlag fällig. 

Dann sprach Finanzvorstand Arno Antlitz: Obwohl es 2025 verschärfte geopolitische Spannungen und eine hohe Wettbewerbsintensität gegeben habe, sei es gelungen, die Substanz der Volkswagen Gruppe weiter zu stärken, meinte Antlitz. Doch obwohl man 2025 wichtige Kennzahlen verbessert habe, sei das operative Ergebnis um 53 Prozent eingebrochen. Dieses lag im Vorjahr bei 8,9 Milliarden Euro (2024: 19,1 Milliarden Euro). Dadurch sei die Umsatzrendite von 5,9 auf 2,8 Prozent zurückgegangen, der Großteil sei durch Abschreibungen bei Porsche (2,7 Milliarden) entstanden. 

Lagerbestände wurden abgebaut

Dass der Konzern einen Netto-Cashflow von 6,4 Milliarden Euro erzielt habe, sei unter anderem auf ein starkes 4. Quartal und ein verbessertes Management der Lagerbestände zurückzuführen: Der Lagerbestand sei seit der Chipkrise etwas höher gehalten worden, da man damals Fahrzeuge mit hohem Vorlauf gebaut habe, damit die Autos auf jeden Fall zum vereinbarten Termin fertig seien, so Antlitz. Doch diese Situation habe sich mittlerweile wieder deutlich verbessert. Wichtig sei es, jetzt mit einer hohen Ausgabendisziplin zu agieren, um weiterhin am Markt agieren zu können.

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