Es ist keine Überraschung für unsereinen, wenn im Gespräch mit einem Auto-Unternehmer die Rede auf den Mangel an Fachkräften kommt - eher wäre es eine Überraschung, wenn dieses Thema nicht erwähnt wird. Zuletzt gipfelte ein solches Gespräch mit einem Werkstattbesitzer in der Anmerkung: "Ich weiß nicht, wo die alle hin sind. Man könnte glauben, es will keiner mehr arbeiten."
Die möglichen Gründe sind vielfältig: Der demografische Wandel samt Überalterung, die Abwanderung in andere Branchen, eventuell die Tatsache, dass es die Jugend in Büro-Jobs mit Home-Office-Perspektive zieht.
Aber vielleicht hat es auch einfach wenig Reiz, in einer Branche zu arbeiten, deren Kernprodukt Auto mehr und mehr in der gesellschaftlichen Kritik steht. Wenn in meiner Jugend einer erzählte, dass er jetzt eine Kfz-Lehre macht, war die Reaktion sicher positiver als heute. Immerhin ist der Verkehr in jeder Klimawandeldiskussion unbestritten das "Problemkind".
Vielleicht schreckt das Umweltsünder-Image junge Menschen, die sich für eine Karriere in der Kfz-Branche interessieren, ab. Und das hieße ja im Umkehrschluss, dass ein Image-Wandel - etwa ausgelöst durch klares Bekenntnis zu E-Mobilität und verstärkter Kommunikation des Faktors Nachhaltigkeit, die unbestritten eine Kernkompetenz des Reparaturbetriebs darstellt – helfen könnte, das Problem zu lösen.
Ich durfte kürzlich eine Reportage bei einer Reparaturwerkstätte recherchieren, die sich auf E-Fahrzeuge, insbesondere Tesla, spezialisiert hat. Die beiden Inhaber bilden einen Lehrling aus, und als ich diesen fragte, ob er sich auch vorstellen könnte, in einem "Verbrennerbetrieb" zu lernen, bekam ich eine klare Antwort.
Es war ein überzeugtes Nein.
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