Nur damit Sie mich nicht falsch verstehen: Hut ab davor, dass es BYD geschafft hat, bei der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland als Hauptsponsor aufzutreten. Im wichtigsten (und auch schwierigsten) Automarkt Europas mit Herstellern, die eine mehr als 100-jährige Tradition haben wie Mercedes oder Opel. Die weltweit im Premiumsegment reüssieren wie BMW und Audi. Und die den Massenmarkt bedienen wie Volkswagen mit all seinen Konzernmarken, egal ob sie nun aus Tschechien oder Spanien kommen.

Doch eigentlich ist es ein Armutszeugnis für die soeben genannte deutsche Autoindustrie, dass sie sich von der Konkurrenz aus China die große Chance einer weltweiten Werbefläche über gut einen Monat nehmen hat lassen. Mit dieser Meinung stehe ich nicht allein da, wie ich seit Mitte Juni bei zahlreichen Gesprächen mit Freunden und anderen Fußballfans vor dem Fernsehgerät oder beim Public Viewing erfahren habe.

Wäre es wirklich nicht möglich gewesen, dass einer der genannten deutschen Hersteller das Geld in die Hand nimmt, um seine Produkte zu promoten? Natürlich ist es ein Batzen Geld: Aber die Gewinne, die die Hersteller in den vergangenen Jahren eingefahren haben, hätten eine derartige Ausgabe sicher zugelassen.

Eines noch: Die deutschen Hersteller sollten in den kommenden Monaten nicht jammern, dass die chinesi- schen Hersteller auf dem europäischen Markt verstärkt einsteigen. Ein paar Telefonate mit BYD-Händlern in den vergangenen Wochen haben gezeigt, dass sich die Werbung für die chinesische Marke sehr wohl ausgezahlt hat, vor allem wenn der Händler dann auch noch das örtliche Public Viewing als Chance für eine zusätzliche Präsentation seiner Autos genutzt hat. Dass sich die deut- schen Hersteller auf die Europäische Union verlassen, die dann eh Strafzölle gegen die ungeliebte Konkurrenz aus Fernost verhängt, ist zwar der einfachste Weg. Doch ob er auf lange Sicht auch der richtige ist?