A&W: Škoda war im Vorjahr so etwas wie die Vorzeigemarke im Volkswagen Konzern.
Klaus Zellmer: Wir hatten ein Rekordjahr und zum ersten Mal mit mehr als 30 Milliarden Euro Umsatz abgeschlossen. Das operative Ergebnis lag bei 2,5 Milliarden Euro, die Umsatzrendite bei 8,3 Prozent. Das macht uns sehr stolz.
Zum ersten Mal seit einigen Jahren wurden auch wieder mehr als 1 Million Autos ausgeliefert …
Zellmer: Es waren 1.043.900 Fahrzeuge, das sind um 12,7 Prozent mehr als 2024. So eine Steigerung haben wir seit einigen Jahren nicht geschafft. Und während wir 2022 noch die Nummer 10 auf dem europäischen Automarkt waren, waren wir 2025 die Nummer 3 und in den ersten beiden Monaten 2026 sogar Nummer 2.
Ist Platz 1 irgendwann realistisch??
Zellmer: Das ist unrealistisch. Wir wollen auf keinen Fall die Nummer 1 werden, weil da steht Volkswagen. Ein gesunder Wettbewerb ist gut, doch es gibt innerhalb des Konzerns keine Stallorder: Auch bei Geschwistern darf es nicht zulasten des externen Wettbewerbs gehen.
Škoda ist im Gegensatz zu anderen Marken auch bei den Elektroautos sehr stark. Warum?
Zellmer: Obwohl wir den Elroq erst im März 2025 eingeführt haben, war er im Vorjahr schon die Nummer 2 unter den Elektroautos in Europa. Wir haben mit diesem Auto einen Volltreffer gelandet, und der Enyaq hat ohnedies seit Jahren einen soliden Stand.
Wird das nach dem Start der neuen, kleinen Generation an E-Autos so weitergehen?
Zellmer: Wir werden im Konzern das neue Portfolio genau positionieren und Cupra Raval, Škoda Epiq sowie VW ID. Polo und ID. Cross genau voneinander differenzieren. Wir wollen uns nicht gegenseitig das Leben schwer machen. Der Epiq ist der neue Hoffnungsträger und wir peilen einen Preis ab rund 26.000 Euro an. Dieses Auto muss ein deutlich höheres Potenzial realisieren als die beiden anderen Elektroautos, die wir schon haben. Und damit werden wir auch die CO2-Ziele erreichen. Der Epiq ist das elektrische Pendant zum Kamiq, und eine Preisparität ist unser Ziel, so wie es uns auch schon beim Elroq und Karoq gelungen ist. Im Herbst kommt dann noch der Peaq: Er wird das Sahnehäubchen. Und wir sind die einzige Marke im Konzern, die einen elektrischen Siebensitzer im Angebot haben wird.
Dann kommt wieder ein neuer Verbrenner …
Zellmer: Die Transformationsgeschwindigkeit in Richtung Elektroautos hat sich verlangsamt. Daher haben wir uns vor eineinhalb Jahren entschlossen, dass es ab 2028 einen Nachfolger des Karoq geben wird. Wir haben 6 Elektroautos versprochen und das weitere Roll-out -bewusst nach hinten verschoben.
Wann kommen die weiteren Elektroautos?
Zellmer: Die neue SSP-Plattform des Konzerns kommt Anfang der 2030er-Jahre: Spätestens dann reden wir auch von der Realisierung der Vision O. Ob dieses Auto dann 800 Volt haben wird, kann ich derzeit noch nicht sagen, da bitte ich noch um etwas Geduld.
Wenn man auf die Länder schaut, in denen Škoda vertreten ist, fällt auf, dass der Großteil des Absatzes in Europa gemacht wird.
Zellmer: Ja, 80 Prozent unserer Autos werden in -Europa verkauft. Das ist angesichts der Schwierigkeiten, die viele Hersteller in China oder den USA haben, gut. Aber auch Europa kann irgendwann geopolitische Dellen bekommen. Parallel haben wir unseren Absatz in Indien von 2024 auf 2025 verdoppelt: Das ist einer jener Wachstumsmärkte, den wir sehr stark verfolgen. Derzeit ist Indien weltweit die Nummer 4 oder 5, doch das Land hat das Potenzial auf die Nummer 3 hinter China und den USA. Da wollen wir mit dabei sein.
Die schweren Zeiten, wo Škoda sowohl aus dem Markt in Russland als auch aus China aussteigen musste, sind überwunden?
Zellmer: Wir haben in China 2025 weniger als 15.000 Autos verkauft, das Phase-out ist so gut wie abgeschlossen. Doch der Verlust des Marktes in Russland war sehr bedeutsam. Wir haben den Rückzug aus Russland und China bereits kompensiert, indem wir in anderen Märkten 100.000 bis 140.000 Autos mehr verkauft haben.
Wie wichtig sind eigentlich die niedrigen Personalkosten in Tschechien und Indien für Škoda?
Zellmer: Die sind nur zum Teil relevant, denn andere Hersteller, die auch in diesen Ländern Autos bauen, schaffen das nicht. Wir Škodianer sind allerdings extrem stringent. Wie Sportler, die jedes Fettpölsterchen wegtrainieren. Wir möchten uns die Flexibilität im Konzern beibehalten und jene Autos bauen, die der Kunde möchte: In Mlada Boleslav fertigen wir Octavia, Enyaq sowie Elroq und können das Werk so flexibel steuern, wie es der Markt möchte.
Wie hoch ist der Vorteil durch die Personalkosten?
Zellmer: Das allein erklärt nicht unsere starke Position. Unser großer Vorteil ist, dass wir im vergangenen Jahr 111 Prozent der installierten Kapazitäten ausgenützt haben, also in den 3 tschechischen Werken bis zu 18 Schichten pro Woche gefahren sind. Bei dieser Skalierung des Geschäftsmodells spielen die Personalkosten keine so große Rolle mehr.
Welche Rolle werden Verbrenner ab dem Jahr 2035 für Škoda noch spielen?
Zellmer: Wir haben eine strategische Zielrendite von 10 Prozent, und unser Fitnessprogramm ist darauf ausgerichtet. Im vergangenen Jahr hatten wir einen Anteil von 20 Prozent an Elektroautos und 25,7 Prozent Plug-in-Hybriden. In Zentral-, Ost- und Südeuropa ist der Verbrenner auch heute noch die überwiegende Mehrheit. Wir begrüßen die aktuellen Regelungen in Europa. Aber mit der aktuellen Nachfrage sehen wir es als gefährdet, dass wir den Sprung, den uns die EU verordnet, auch erreichen. Denn ab 2030 wird das CO2-Limit ja noch einmal halbiert. Für uns als Volumenhersteller ist das Verbrenner-Aus ab 2035 schwierig zu erreichen. Wir sind der Meinung, dass die Leitindustrie Europas nicht sturmreif geschossen werden darf.
Ist Österreich, wo Škoda ja schon seit einigen Jahren die Nummer 2 hinter VW ist und mit einem Marktanteil von knapp mehr als 10 Prozent einen großen Vorsprung zu den anderen Mitbewerbern hat, ein Vorbild für andere Länder?
Zellmer: Ja, in mehrerlei Hinsicht, aber nicht nur wegen der Position hinter VW als Nummer 2. Wir haben hier mit der Porsche Holding Salzburg einen sehr starken Handelspartner, der seit Jahrzehnten einen guten Job beim Profiling der Marke gemacht hat. Das sieht man auch bei den Elektroautos, wo der Elroq und der Enyaq die Position als Nummer 2 und Nummer 3 belegen. Man hat also den Geist der Kunden getroffen, und das wird mit Epiq und Peaq so weitergehen. Ich bin sehr dankbar, dass man in Österreich diese Extrameile geht, und wir freuen uns über die extrastarke Position von Škoda in Österreich.
