Vor knapp 8 Jahren habe ich mich für ein E-Auto entschieden und diesen Entschluss bis heute nicht bereut. Zugegeben: In Sachen Infrastruktur, vor allem punkto Schnellladestationen, hat der Ausbau der Schnell-Ladeinfrastruktur entlang Österreichs Hauptverkehrsrouten in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Die Zahl neuzugelassener E-Autos steigt kontinuierlich an, aber leider hinkt die Errichtung lokaler Lademöglichkeiten vor allem in Wien, aber auch in anderen österreichischen Städten, dieser Entwicklung hinterher.

So kann die Suche nach einer E-Tankstelle in der Bundeshauptstadt immer öfter zum Spießrutenlauf mutieren. Viele Ladepunkte im öffentlichen Raum sind mittlerweile teils rund um die Uhr belegt, zum „Betanken“ des E-Fahrzeugs bleibt als letzter Ausweg nur mehr die Fahrt zu einer oft weit entfernten Schnellladestation.

In meinem Heimatbezirk Wien-Neubau setzen die Verantwortlichen offensichtlich – wie erst jüngst geschehen – stattdessen nun lieber auf den Ausbau sinnloser „Rollerparkplätze“ als „Ergänzung“ zu einer abstrusen Zahl von Fahrradständern im öffentlichen Raum. Ein Schelm, wer angesichts solcher Aktionen an eine absichtlich herbeigeführte Parkraumvernichtungsaktion im großen Stil denkt! Gleichzeitig propagiert die Politik den Umstieg auf saubere E-Mobilität.

Die magere Ladeinfrastruktur und teils undurchschaubare Stromtarife sind ein toxischer Mix – viele potenzielle Autokäuferinnen und -käufer reagieren verhalten oder schieben einen Umstieg auf emissionsfreie E-Pkw auf die lange Bank. Letztendlich werde ich das Gefühl nicht los, dass es – forciert durch selbsternannte „Experten“ – in Wahrheit darum geht, den Individualverkehr in Städten generell hinauszudrängen oder extrem einzuschränken – egal über welchen Antrieb ein Fahrzeug verfügt.

Begleitende „Maßnahmen“ sind neben der teuren Parkraumbewirtschaftung und brutaler absichtlicher Verknappung des Parkraums und wie im Falle der E-Mobilität auch der verhaltene Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur.

Der stereotyp geforderte Umstieg auf die heutzutage bereits an ihre Kapazitätsgrenzen stoßenden Öffis in einer „autofreien“ Stadt würde diese wohl komplett überfordern. Ein (Zwangs)-Umsatteln auf das Fahrrad ist für viele ältere, gebrechlichere, behinderte oder auch ängstliche Menschen schlicht nicht möglich.

Wann also redet die Politik endlich Tacheles?  Wenn die Verantwortlichen den Individualverkehr tatsächlich aus der Stadt verbannen wollen, dann ist es besser, die Karten auf den Tisch zu legen statt die Bewohner mit immer neuen, kleinen Nadelstichen mürbe zu machen.
Eine Antwort darauf werden die Bürgerinnen und Bürger spätestens bei den nächsten Wahlen geben.

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