Die Autoindustrie: Sie war (und ist) unbestritten einer der wichtigsten Pfeiler der europäischen Wirtschaftspolitik. Nicht nur im Westen, sondern auch im Osten des Kontinents – man denke nur an die vielen Werke, die aufgrund der günstigeren Lohnkosten (und der gut ausgebildeten Arbeitskräfte) nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und anderen Ländern entstanden sind (und immer noch entstehen).

Jahrzehntelang ging es aufwärts, mit einigen Aufs und Abs in den einzelnen Ländern: Auch die japanischen Hersteller und später die Koreaner integrierten sich – allen anfänglichen Befürchtungen zum Trotz – gut.

Und dann kam die Europäische Union ins Spiel: Dass sich die Staatengemeinschaft verpflichtet hat, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden, sollte auch Vorbild für die USA, China oder andere große Länder sein – und ist unausweichlich. Die Wetterereignisse der vergangenen Wochen haben (nicht nur in Österreich) gezeigt, dass der Klimawandel kein Gerede ist, sondern längst begonnen hat.

Die für unsere Branche wichtigsten Details: Ab 2035 dürfen in der EU nur noch Elektroautos als Neuwagen verkauft werden, bis dahin werden die CO2-Werte für die gesamte Flotte immer wieder verschärft.

Die Autohersteller haben in den vergangenen Jahren Dutzende Milliarden Euro investiert, um Elektroautos zu entwickeln. Haben die Verbrenner optimiert und für die Übergangsphase Plug-in-Hybride auf die Räder gestellt. Auch Range Extender helfen beim einen oder anderen Modell. Vieles ist gut gelaufen, anfängliche Schwierigkeiten bei dem einen oder anderen Hersteller haben zwar am Image gekratzt, scheinen aber mittlerweile halbwegs ausgeräumt zu sein.

Es waren (und sind) die Politiker unterschiedlichster Parteien, die das Ganze vermurkst haben: Immer wieder wurde gefordert, das Verbrennerverbot zu verschieben. Dabei wurde geflissentlich übersehen, was die Kollegen in Brüssel beschlossen hatten. Die logische Folge: verunsicherte Kunden, vor allem im Bereich der E-Autos. Dass die deutsche Regierung unter dem Druck des Budgets im Dezember 2023 quasi übers Wochenende die Förderprogramme für E-Autos massiv einschränkte, war das Tüpfelchen auf dem i.

Das sind die Geister, von denen eingangs die Rede war: Die ganze Sache scheint aus dem Ruder zu laufen. Was mit den Zöllen für Elektroautos aus China (auch von europäischen Herstellern) passieren wird, ist nach wie vor offen, trägt aber sicher nicht zur Entspannung bei.

Jetzt, wo sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten diverser Hersteller häufen, hat die deutsche Politik für den 23. September einen „Autogipfel“ einberufen. Höchste Zeit! Dass kurzfristig kein Ergebnis bekannt gegeben wurde, ist vermutlich entscheidend: Denn jetzt muss in Ruhe überlegt werden, welche Maßnahmen richtig sind. All das kann man nicht an einem einzigen Nachmittag im September entscheiden.

Die europäische Autoindustrie ist nicht Schuld an der Misere: Dass sie ab 2025 Milliarden an Strafen für nicht eingehaltene CO2-Werte zahlen soll, muss mit allen Mitteln verhindert werden.

Langfristige Planungssicherheit ist das Wort der Stunde. Dabei sollte es bitte bleiben, im Interesse der europäischen Autoindustrie. Aber auch im Interesse aller Autohändler und -verkäufer, die ihren Kunden in Ruhe die jeweils beste Lösung für ihre individuellen Bedürfnisse empfehlen können.

 

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