Es waren tagelange Sitzungen im Finanzministerium, doch dann stand das Gesetz fest: Ein Würfel von einem Meter Länge musste hinter der letzten Sitzreihe Platz haben, so die simple Lösung. Und so dauerte es nicht lange, dass die neue Regelung als „Lex Chrysler“ bekannt wurde: Immerhin war der (in Graz gebaute) Voyager einer der Haupt-profiteure und ermöglichte den Besitzern von großen Minivans den Vorsteuerabzug. Mag. Ingo Natmessnig, damals Österreich-Chef von Jeep und Chrysler, war jener Mann, der das neue Gesetz hauptverantwortlich verhandelt hatte. Auch wenn sich der gebürtige Kärntner aus der Branche zurückgezogen hat, ist er immer wieder auf Automessen zu sehen. 

Dabei war der Weg in die Autobranche nicht vorgezeichnet: Der Vater war Holzhändler, Natmessnig studierte Betriebswirtschaft in Graz. Bei einer Führung im Steyr-Werk sah er 1981 erstmals den Puch G. Der erste Job nach dem Studium führte zu Procter & Gamble: „3 Jahre, unter anderem im Waschmittel-Außendienst.“ Und als er beim Mittagessen die Besucher einer regionalen Autohändlertagung belauschte, dachte er sich: „Coole Branche!“

Dann ging es schnell: Bei Steyr-Daimler-Puch suchte man einen Assistenten für den Chef, und 1984 kam man drauf, dass man den Puch G mit einem guten Marketing noch viel besser verkaufen würde. Natmessnig war der richtige Mann, der Absatz stieg auf rund 200 Stück jährlich. 1986 wurde Natmessnig Marketingleiter bei Fiat, dann Verkaufsleiter für Fiat, Lancia und den Puch G. „1993 hat mich ÖAF Gräf & Stift abgeworben. Sie hatten den Import von Lada und haben für die neue Marke Chrysler jemanden gesucht.“ Die AC Austro Car wurde gegründet, und Natmessnig blieb über all die Jahre mit wechselnden Eigentümern bis 2011 auf dem gleichen Sessel. Auf ein Faktum legt Natmessnig Wert: Als nach der Finanzkrise die US-Autohersteller schwankten, galt das nicht für Österreich; „Wir haben ganz normal Autos verkauft.“ Erst nach dem Chrysler-Fiat-Deal und der Übersiedlung des Importeurs in die -Schönbrunner Straße stieg Natmessnig aus. 

Nach 3 Jahren als Sprecher der Automobilimporteure gab Natmessnig auch diesen Job auf: „Es war eine super-schöne Zeit.“ Übrigens: 30 bis 40 Leute von der alten Chrysler-Belegschaft treffen sich einmal im Jahr. „Immer an dem Tag, an dem wir die Felmayergasse zugesperrt haben.“ Heute ist Natmessnig mit einem Jeep Grand Cherokee oder der alten Alfetta seines Vaters unterwegs. „Vor allem in Italien freuen sich die Leute, wenn sie dieses Auto sehen.“

Und was ist Natmessnigs wichtigster Erfolg? Nein, nicht die „Lex Chrysler“, sondern die von den Importeuren gestützte Ökoprämie: „Als wir sie 2009 eingeführt haben, hat das nach der Wirtschaftskrise wieder Schwung in den Automarkt gebracht.“