Wann haben Sie das letzte Mal wirklich gerne ein Online-Inserat gemacht? Also mit einem schönen, detaillierten Text samt schöner Fotos und all den Dingen, die einen Kunden zum Kauf inspirieren sollen. Und falls Sie bei der Antwort auf die Frage auch etwas länger nachdenken müssen, dann sind Sie vermutlich der perfekte Kandidat, um sich das Leben mit Künstlicher Intelligenz etwas zu vereinfachen. Zugegeben, bei den Fotos des Autos kann Ihnen die KI nicht wirklich helfen. Sobald es aber um Text geht, da kann man mit Tools wie ChatGPT wahre Wunder vollbringen. Denn der GenAI-Chatbot ist immer motiviert und findet immer die passende Formulierung. „Und genau solche Tätigkeiten sind es, die auf der Strecke bleiben, wenn man nicht viel Zeit für die einzelnen Aufgaben hat. Und seien wir ehrlich, wer kann schon behaupten, dass er für alle Tätigkeiten im Autohaus genug Zeit hat“, weiß Stefan Rockenschaub, der selbst jahrelang in der Kfz-Branche aktiv war und nun als Unternehmensberater den Betrieben helfen will, ihre Arbeit effizienter zu gestalten.
Analyse auf Knopfdruck
Das Verfassen eines ansprechenden Inserat- oder Verkaufstextes ist dabei nur eine von vielen Möglichkeiten, die man als Betrieb von der KI erwarten kann. Rockenschaub selbst arbeitet mit Unternehmen zusammen und setzt für diese Datenwürfel auf. Eine Sammlung aller Daten, die das Autohaus generiert und die in Verbindung mit der Außenwelt gebracht werden, wie er anhand eines Beispiels erklärt: „Ich habe einen Kunden, dessen Mitarbeiter in der Werkstatt beschweren sich immer, dass es in der Werkstatt im Sommer zu heiß ist. Also wollte der Kunde wissen, ob die Mechaniker bei der Hitze auch wirklich länger für ihre Tätigkeiten brauchen. Auf Knopfdruck bekommt er durch die Datensammlung eine Analyse, die ihm zeigt, wie die Arbeitsleistung bei welchem Wetter und bei welcher Temperatur ist.“
Dieses Beispiel kratzt aber nur an der Oberfläche dessen, was mit generativer KI möglich ist. „Es hilft vor allem auch im Aftersales. Wenn man weiß, wer mein Kunde ist und wie der Zustand des Autos ist, dann kann man sich darauf vorbereiten“, so Rockenschaub. Denn unter anderem kann die KI Arbeiten übernehmen, für die ein Mitarbeiter wahrscheinlich Wochen brauchen würde. „Jeder Unternehmer kann wahrscheinlich auf Knopfdruck sagen, wie viele Fahrzeuge seiner Kunden in den nächsten 3 Monaten zum Pickerl kommen müssen. Beim Zustand der Bremsbeläge, Wischerblätter oder wann das nächste Klimaservice fällig ist, wird die Luft aber schon dünn.“ So könne man zum Beispiel alle Werkstatt-Rechnungen des Betriebes durch die KI jagen und sich ausheben lassen, wann welcher Kunde mit welchem Fahrzeug im Betrieb war und was gemacht wurde. „Das ist händisch fast unmöglich zu bewerkstelligen“, so der Unternehmensberater. Anhand der Ergebnisse kann man dann sehen, welcher Kunde demnächst vielleicht neue Bremsen braucht. „Und darauf kann ich mich vorbereiten. Zudem kann ich so Peaks im Betrieb unterbinden und meine Auslastung gleichmäßiger verteilen.“
Der Traum vom gläsernen Kunden
Dass einem die KI Handlungsanweisungen geben kann, wie man dem Kunden ein Neufahrzeug verkauft, das hält Rockenschaub auf absehbare Zeit für Wunschdenken. Zu schlecht befüllt seien die CRM-Systeme der Händler und zu schwammig die Datenschutzgrundverordnung, die solch eine Datensammlung eigentlich verbietet. Was jedoch sehr wohl möglich ist, ist mit Leads zu arbeiten, die vom Hersteller kommen. Jede Marke hat ihr eigenes CRM, hinzu kommt das hauseigene System. Mit diesen kann die KI kommunizieren und arbeiten und so Leads herausfiltern, die tatsächlich interessant sind, und jene aussondern, wo ohnehin keine Ergebnisse zu erwarten sind. „Damit spart man sich enorm viel Zeit und kann sich auf potenzielle Kunden konzentrieren, wo wirklich eine Chance besteht“, so Rockenschaub. Denn gerade jene Leads von Agenturen seien meistens für den Verkäufer unbrauchbar.