Bürokratie bindet Arbeitskräfte
„Wir müssen beispielsweise gewisse Daten in regelmäßigen Abständen an die Statistik Austria melden, das benötigt Zeit, ein Beispiel dafür, dass hier Arbeitskräfte gebunden werden, die für uns nichts bringen“, wie Ing. Wolfgang Rötzer, Geschäftsführer Autohaus Dosenberger, Innsbruck, erklärt.
„Weiters könnte auch das Thema Lohn- und Gehaltstransparenz mühsam werden, was weitere Mitarbeiter mit zusätzlichen Aufgaben bindet.“ Es gebe zusätzlich Punkte, wie etwa die jährliche Abwasserkontrolle: „Wir müssen Proben von einem Institut abnehmen und untersuchen lassen und die Ergebnisse einschicken“.
Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzten, früher hätten sich die Behörden öfter um solche Dinge gekümmert „einiges ist aber zu uns verlagert worden“.
Wolfgang Rötzer
Materieller und personeller Aufwand
„Die Zettelwirtschaft ist sehr vielen Gesetzen geschuldet, mit Datenschutz-Unterzeichnungen, zahlreiche Verträge wie z. B. Leasing, Kredit müssen unterschrieben werden“, sagt Michael Schmidt, Geschäftsführung Denzel-Höglinger in Linz. „Mittlerweile ist ein Kaufvertrag inklusive Leasingvertrag zwischen 80 und 100 Seiten dick. Das ist zum einen ein enormer materieller und zum anderen personeller Aufwand.“
Die Daten müssten dem Importeur übermittelt werden, fehle nur eine Unterschrift, müsse der Kunde wieder kontaktiert werden. „Es sind oft Vorschriften und Gesetze, die uns und den Importeur zwingen, diesen Aufwand zu betreiben. Man wächst mit der Entwicklung mit und akzeptiert sie, aber es wird nicht leichter.“
Michael Schmidt
Aufwändige Administration
„Es gibt Regelungen, wie beispielsweise die § 57a-Überprüfungen, die gut funktioniert haben und jetzt verändert werden sollen. Aus meiner Sicht ist das längerfristig ein Nachteil für die Kunden, die aufgrund längerer Intervalle mögliche Folgeschäden in Kauf nehmen müssten“, wie Alexander Moldan, Geschäftsführer Auto Pirnbacher in St. Johann i. Pongau, sagt.
Schwierig sei auch die Administration von Kaufverträgen, Leasing und Finanzierungen: „Das ist vor allem in einem Mehrmarkenhaus enorm aufwändig, wobei sich die Situation aufgrund einzelner digitaler Abwicklungsmöglichkeiten unter akribischer Einhaltung aller Datenschutz-Vorschriften leicht verbessert hat. Wichtig wäre, diese Prozesse deutlich zu vereinfachen.“
Alexander Moldan
Kurze Wege, flotte Abwicklung
„Als schwierig gestalten sich oft gewerberechtliche Genehmigungen etwa bei Umbauten, denn wenn man bereit ist, in Betriebe zu investieren, sollte die Politik die Rahmenbedingungen schaffen, dass das schnell geht“, meint Oskar Dörfler, Landesgremialobmann des Kärntner Fahrzeughandels und Geschäftsführer des Autohauses Dörfler in Spittal. Der Zeitfaktor spiele dabei eine entscheidende Rolle. Abgesehen davon würden durch Verzögerungen auch Mitarbeiter im Haus gebunden, „das bremst gewaltig“. Es bedürfe einer Menge Behördenwege: „Wir müssen immer wieder nachfragen, Eigeninitiative ergreifen und dahinter sein, weil eben die Zeitspannen zu lange sind. Es gibt Potenzial, kurze Wege und zeitnahe Abwicklungen wären ein großer Entbürokratisierungs-Schritt“.
Oskar Dörfler
Sehr viel Büroaufwand
„Die Bürokratie im Autohaus ist nach wie vor allgegenwärtig, man muss die Geschäftsabwicklung ausführlich melden, um Bonus- und Flottenansprüche zu erhalten und auch die Erfüllung der Kriterien, die maßgeblich für Boni und Zielerreichungen sind, erfordert sehr viel Büroaufwand“, so Komm.-Rat Manfred Ellensohn, Seniorchef Autohaus Ellensohn GmbH in Rankweil. Die Digitalisierung bringe teilweise Vorteile, binde aber auch Mitarbeiter in der Verwaltung. Auch hier wäre eine Vereinfachung der Abläufe wünschenswert. „Aus meiner Sicht sinnvoll wäre auch die Umstellung auf komplett digitale §57a-Überprüfungen samt digitalem Pickerl. Letzteres auszustellen, zu lochen und zu besorgen benötige Zeit, die Pickerl müssten derzeit über die Bezirksbehörde angefordert werden.
Manfred Ellensohn
Komplizierte NoVA-Regeln
„Grundsätzlich spricht die ganze Welt über KI, dennoch ist diese bis dato weder bei den Behörden noch bei den Herstellern spürbar implementiert worden“, wie Mag. Franz Schön-thaler, Geschäftsführer Autohaus Schönthaler in Pernitz, unterstreicht. Ein weiteres Problem stellten die komplizierten NoVA-Regeln dar. „Ich orte auch Ignoranz betreffend §57a-Begutachtung und der von der Regierung als Entbürokratisierungs-Maßnahme deklarierten Verlängerung der Pickerl-Intervalle.“ Die Dokumentationspflichten stiegen weiter an, in diesem Punkt habe sich bis dato nichts verbessert. Die Digitalität habe Verbesserungen gebracht, dennoch gebe es Schattenseiten – wenn etwa diese Systeme gehackt würden. „Mein Wunsch an die Politik: Mehr jenen zuhören, die über jahrzehntelange Expertise in der Branche verfügen.“
Franz Schönthaler
Enorme Mengen an Papier
„Die Bürokratie im Autohaus ist nach wie vor allgemein omnipräsent, sowohl seitens der Behörden, aber auch von den Herstellern“, so Manfred Beck Geschäftsführer Autohaus Beck in Gols und Landesinnungsmeister der burgenländischen Fahrzeugtechnik.
„Von einem papierlosen Büro kann keine Rede sein ,,es geht um Aufbewahrungs- und Belegungspflichten, die natürlich enorme Mengen an Papier benötigen.“
Darüber hinaus würden Behörden Aufgaben an die Betriebe abwälzen. Das betreffe etwa Betriebsüberprüfungen, „die wir bei Änderungen selbst dokumentieren und übermitteln müssen, bevor die Behörde im Betrieb erscheint und die Änderungen überprüft“. Insgesamt wünschenswert wären deutlich -vereinfachte Abläufe.
Manfred Beck
Genehmigungen vereinfachen
„Es wäre wünschenswert, wenn – natürlich auch rechtlich abgesichert – alle Kunden einen Kaufvertrag digital signieren könnten und sie diesen per Mail als PDF erhalten“, sagt Marko Fischer, Geschäftsführer Fischer Auto in Wien und Vizepräsident der Wirtschaftskammer Wien.
„Auch Betriebsanlagengenehmigungen oder Prüfungen müssten vereinfacht werden. Wichtige wäre auch die Durchforstung des Paragraphen- und Gesetzesdschungels, diesbezüglich sollte – der Entwicklung angepasst – alle 10 Jahre auch eine Evaluierung erfolgen. Was wir uns wirklich wünschen, wäre die Umsetzung sinnvoller Maßnahmen, und dass die Interessenvertreter schon zu Beginn etwaiger Änderungspläne intensiv miteingebunden werden.“
Marko Fischer
Pickerl komplett digital abwickeln
„Es gibt punkto Bürokratie mehrere Punkte, wobei aus meiner Sicht, das überbordende Gewährleistungsrecht ein Problem darstellt“, wie Komm.-Rat Ing. Josef Puntinger, Seniorchef des Autohauses Puntinger in Leoben, berichtet.
„Gewährleistung und Konsumentenschutz stehen außer Frage, das Gewährleistungsrecht wird dennoch immer komplizierter, es sollte auch für den Handel leichter managebar sein. Ein weiterer Kritikpunkt ist die sehr komplizierte Berechnung der NoVA. Darüber hinaus sollte man – aktuell im Zusammenhang mit der Diskussion über die § 57a-Regelung – die Gelegenheit nutzen und auch die Pickerl-Überprüfungen ähnlich wie bei der Autobahnvignette komplett digital abwickeln. Das würde uns in der Werkstatt den Alltag erleichtern.“
Josef Puntinger
