Eines vorweg: Branchenmedien waren zur Pressekonferenz nach dem „Autogipfel“ vom Montag dieser Woche nicht eingeladen. Keine Ahnung, warum – möglicherweise, weil die Branchenjournalisten die eine oder andere unangenehme Frage gestellt hätten?
Egal: Via Tageszeitungen und Rundfunk bekamen wir auch so mit, was dort passiert ist – nämlich nicht wirklich etwas Anderes als beim ersten derartigen Gipfel vor einem Jahr. Konkreteste Forderung: Österreich soll sich dafür einsetzen, dass bei der für das Jahr 2026 geplanten Evaluierung das Verbot neuer Verbrenner in der EU ab 2035 fällt.
Bravo, Herr Bundeskanzler! Haben Sie je an die Milliardeninvestitionen gedacht, die die Autohersteller in den vergangenen Jahren getätigt haben, um Elektroautos zu entwickeln und auf den Markt zu bringen? Haben Sie je mit einem Autohändler gesprochen, der Ihnen über die Zigtausenden Euro berichtet hat, die er für E-Auto-Ladesäulen, den Umbau des Autohauses und für die Schulung der Mitarbeiter ausgegeben hat?
Glauben Sie, Herr Bundeskanzler, wirklich, dass mit einem derartigen Auftritt der dringend notwendige Absatz an Elektroautos gefördert wird? Dringend notwendig wegen der positiven Auswirkungen auf die Umwelt – und auch wegen der bevorstehenden Milliardenstrafen für die Autohersteller, weil diese die ab 2025 geltenden strengen CO2-Grenzwerte der EU nicht erreichen.
Wenn er sich wirklich für die Autozulieferer in Österreich einsetzt, wie es der Kanzler vorgibt, dann sollte man auch den letzten Schlafenden unter den Zulieferern sagen, dass eine gewisse Spezifizierung auf andere Motorisierungen abseits der Verbrenner notwendig wäre. Denn wenn man die Verantwortlichen weiterhin in Sicherheit wiegt, dass man eh stets auf Diesel und Benzin setzt, dann wird es irgendwann besonders arg krachen in dieser für Österreich so wichtigen Branche.
„So wird das nix mit der E-Mobilität“, pflegen wir in der Kollegenschaft scherzhaft zu sagen, wenn wir mit unseren Elektroautos wieder einmal eine längere Strecke ohne jegliche Probleme (wenn auch mit Ladestopps) zurückgelegt haben. Ja, Herr Bundeskanzler: Noch ein paar solcher Auftritte (am besten wieder direkt vor der Steiermark-Wahl oder der Nationalratswahl): Dann wird das wirklich nix mit der Elektromobilität. Nachfolgende Generationen werden es Ihnen „danken“.
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