Auch mit zuweilen zelebriertem Zweckoptimismus lässt sich nicht an Tatsachen rütteln: Laut Statistik Austria wurden von Jänner bis April 2024 rund 84.600 Pkw neu zum Verkehr zugelassen, das sind um 3.044 oder 3,7 Prozent mehr als in den ersten 4 Monaten des Jahres 2023.
Wohl zu wenig, um gleich einen Silberstreif am Horizont zu sichten: Denn wir befinden uns derzeit zwar leicht über Vorjahresniveau, aber noch weit entfernt von den Absatzzahlen in Vor-Corona-Zeiten.
Auch in Gesprächen mit Händlern wird klar, dass in manchen Betrieben der Hut brennt: Dass die Ware nur sehr zäh abfließt, lässt die Lagerkosten nicht zuletzt aufgrund hoher Zinsen in ungeahnte Höhen schnellen. Diese Zusatzbelastung treibe die Marge Richtung Null, stellen betroffene Unternehmer ernüchtert fest. Einzig und allein der (noch) florierende Werkstattbetrieb könne die dadurch entstehenden Verluste im besten Fall „ausbügeln“.
Bitter, wenn ein Stichtag wie der 6. Juli (EU Vehicle General Safety Regulation) bei nicht rasch genug abfließenden Autos deren Kurzzulassung notwendig macht: Dann drohe eine Entwertung auf Raten; die Weitervermarktung werde zu einem Pokerspiel mit ganz schlechten Karten. Denn die einstige Frischware „verderbe“ zusehends und könne später im besten Fall nur mit einem fetten Rabattpickerl an die Konsumenten gebracht werden.
Sollten sich nicht schon Autobauer, die jährlich stolz ihre Rekordgewinne hinausposaunen, dazu entschlossen haben, stellt sich die Frage, ob es nicht gerade jetzt höchste Zeit wäre, langjährigen und treuen Händlerpartnern in derart trüben Zeiten bei der Lagerhaltung unter die Arme zu greifen: Zumindest die Aufteilung der Lagerkosten wäre in Zeiten zunehmenden Gegenwinds für die Autobranche, den das zurückhaltend investierende Publikum auch täglich eingetrichtert bekommt, für Händler eine willkommene Überbrückung.
Beispiele dafür gibt es hierzulande schon: Ein namhafter heimischer Zweiradproduzent hat im Großteil Europas bereits im Spätsommer 2023 begonnen, seinen Händler-Partnern die Fahrzeuge mit extrem langen Zahlungszielen und einer langen zinsfreien Zeit, zu verrechnen: Das soll auch im Frühling 2024 fortgesetzt werden, so der Hersteller, dessen Ertrag sich mit der Zinsbelastung verringert.
Unternehmer, die auf ein ausschließlich „echtes“ Agentursystem umgestellt haben, dürften die derzeitige Kaufstimmung entspannter beobachten: Denn für sie entfallen, da Neu- wie Vorführfahrzeuge nicht mehr „ihnen gehören“, auch die Lagerkosten.
Die umfassende Reparaturkompetenz der Werkstatt, ihres wesentlichen Standbeins, zu stärken, bleibt allerdings auch ihnen nicht erspart.
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