Erst kürzlich erhob die Unternehmensberatung PwC Strategy&, wie stark der österreichische BEV-Markt Federn lassen musste. Noch im 1. Quartal 2023 seien die BEV-Absätze um 57% nach oben gegangen. E-Autos hätten aber heuer einen Rückgang von 3,9% verzeichnet. Das Comeback von Hybriden habe verhindert, dass der gesamte österreichische E-Auto-Markt ins Minus gerutscht sei: Hybride hätten um 18% zugelegt – und hatten mit 24% den höchsten Anteil am Markt der E-Fahrzeuge. 

Hinzugekommen ist die Gefahr, dass gebrauchte E-Autos der Kunden, die ihre Fahrzeuge eintauschen wollen, die Pipeline für neue E-Modelle verstopfen: Laut Aussagen erfahrener Händler ließen sich gebrauchte Stromer derzeit oft – wenn überhaupt – nur unterpreisig weitervermarkten. Diese Händler machen auch deutlich, dass sie gebrauchte BEV nicht mehr eintauschen, weil sie durch den Preisverfall bereits schmerzhafte Verluste beim Wiederverkauf erlitten hätten und dieses Risiko nicht mehr tragen wollen.

Die Überkapazität neuer E-Modelle – es gibt in Deutschland bereits Hersteller, deren Produkte direkt aus der Fabrik auf riesige Halden gekarrt werden, um dort auf ihre Käufer zu warten – gepaart mit dem Eintauschproblem der Gebraucht-BEV, ist ein Gift-Cocktail, der im Sinne des E-Auto-Absatzes rasche Therapie erfordert.

Doch welche Basics fehlen, um den Zug zur E-Mobilität hierzulande zu beschleunigen?

• die wirklich leistbaren, für das Publikum attraktiven E-Modelle in Volumensegmenten?

• der Turbo-Schub erhöhter Kaufprämien für Neuwagen?

• eine staatliche Stützungsprämie für gebrauchte E-Autos der Kompakt- und Mittelklasse?

• Mehr Sicherheit, was die Versorgung der Autos mit Fahrstrom betrifft?

Dazu fehlen derzeit nicht nur klare gesetzliche Vorgaben für Preistransparenz an allen öffentlichen Stromtankstellen, mit Preis- und Mengenanzeige in Echtzeit sowie Akzeptanz von Karten sowie Bargeldzahlung anstatt zeitverzögerter Rechnungsstellung, die dem Nutzer dann die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Auch Europas Automobilherstellerverband ACEA warnte jüngst vor der alarmierenden Lücke zwischen der aktuellen Verfügbarkeit öffentlicher E-Ladestationen in der EU und dem, was zum Erreichen der CO2-Reduktionsziele in der Realität nötig ist. Laut Schätzungen der Industrie benötige die EU bis 2030 achtmal mehr Ladepunkte pro Jahr als derzeit entstehen.

Diese wichtige Voraussetzung für die BEV-Akzeptanz, zugleich eine Investition in die Zukunft, setzt jedoch leistungsfähige Netze voraus. Und die fehlen definitiv vielerorts.

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