Während das Publikumsvoting am Freitag noch aussteht, während dieser Bericht geschrieben wird, kann man für die B2B-Seite schon sagen: Die Konferenz hätte sich mehr Besuch verdient. Es seien noch dicke Bretter zu bohren, kommentierte Gerald Windisch, BVe-West-Leiter, lakonisch in einem Satz die halbleeren Stuhlreihen wie auch die immergleichen, meist längst überholten Vorbehalte gegen die batterieelektrische Mobilität.
Wie dagegenhalten? Fakten, Fakten, Fakten für die Überzeugungsarbeit, ist man sich in den Panels und an den Pausentischen einig. „Es ist nach wie vor notwendig, immer wieder die Fakten darzulegen“, meinte etwa Robin Krutak vom BMK, der positive Entwicklungen sieht. „Der Normverbrauch von Neuwagen sinkt kontinuierlich, und die CO2-Emissionen im Verkehrsbereich gehen - auch dank E-Mobilität - zurück.“
Probleme lösen statt Probleme wälzen
An den Ständen dreht sich vieles um intelligentes Lastmanagement und ebensolche Abrechnungssysteme als Grundbedingung für einen effizienten Betrieb. Da stehen die „Löser“, welche Matthias Groher, Geschäftsführer des Instituts neue Mobilität in Berlin am Podium fordert. Anstatt beispielsweise Privatkunden mit den Komplexitäten von Heim-Ladeinfrastruktur zu konfrontieren, brauche es Anbieter "mit einem Business-Modell", die dem Kunden eine Lösung anbieten.
Die zuletzt sattsam kolportierte Flaute der E-Mobilität ist weder in den Beiträgen noch den Pausengesprächen merkbar. Die Geschichte zeige, dass es bei jedem Hochlauf Aufs und Abs gegeben habe, meint E-Mobilitätsconsulter und Unternehmer Henk Meiborg, der als freiberuflicher Business Developer E-Mobility die Lkw-Ladeinfrastruktur von Varo Energy in Österreich und der Schweiz ausbaut.
Philipp Wieser, Teamleiter OLÉ - Österreichs Leitstelle für Elektromobilität bei Austria Tech/Wien, plädiert dafür, sich in der Diskussion an die Fakten zu halten. Die Zahlen seien weit weniger schlecht als derzeit oft behauptet werde. Wieser präsentiert auf der Bühne u.a. den „Ladegrund“, eine Web-Plattform, auf der sich Grundstücksbesitzer (oder -mieter) mit Ladenetzanbietern zusammenfinden sollen, um das Ladenetz zu verdichten.
Kritische Stimmen
Man kann den Veranstaltern nicht vorwerfen, im Sinne eines reinen PR-Events alles rosarot zu malen. In seiner Keynote wirft beispielsweise Nikolaus Engleitner in seiner Rolle als Inhaber der Fuhrparkberatung NiMiCo einen durchaus differenzierten Blick auf die Rolle der E-Mobilität für Flotten. Während der Business Case derzeit sowohl bei Pkw als auch Nfz bei den allermeisten Nutzerfällen stimme, sei dies etwa bei einem etwaigen Wegfall der Anreize schon fraglicher. Unfallreparaturkosten von E-Fahrzeugen seien deutlich höher als jene von Verbrennern. Auch bei den Fahrzeugen selbst gebe es "grüne" und "grünere", so Engleitner.
Wie gewohnt kein Blatt vor den Mund nimmt sich Kurt Sigl, der ehemalige Präsident des deutschen Bundesverbands E-Mobilität (BEM), jetzt mit der eigenen Firma Car Cycle Consult am Panel: Er kritisiert den europäischen Wildwuchs bei den THG-Quoten, die in jedem Land anders abgerechnet werden. Auch zur Förderlandschaft meint er: „Jemand, der sich ein E-Fahrzeug um 60.000 Euro kaufen kann, bei dem kommt es auf ein paar tausend Euro Förderung nicht an.“ Vielmehr sei es nötig, bei den Gebrauchtwagen zu unterstützen.
Abschließend erwähnt sei das breite Angebot an Testfahrten, das draußen auf einem Testgelände unter Anleitung von ÖAMTC-Instrukturen geboten wird - am Freitag auch der breiten Öffentlichkeit. Von Evum bis Fisker, von Polestar über Microlino bis BMW i7 sind einige e-automotive Leckerbissen dabei.
