Ab 6. Juli 2024 müssen alle Neuwagen verpflichtend mit 9 Assistenzsystemen ausgestattet sein: Dazu zählen der automatische Notbremsassistent, ein Notbremslicht, Notfall-Spurhalteassistent, Rückfahrassistent, intelligenter Geschwindigkeitsassistent, Müdigkeitsassistent, ein Warnsystem bei nachlassender Konzentration, die ereignisbezogene Datenaufzeichnung (Black Box) und eine Vorrichtung zum Einbau der „Alkolock“-Wegfahrsperre.

Wie viele Neufahrzeuge, die noch nicht über alle verpflichtenden Assistenzsysteme verfügen, zugelassen werden müssen, steht nicht fest. Fest steht allerdings, dass diese noch vor Inkrafttreten der Regelung angemeldet und durch die Zulassung entwertet werden, weil sie vermutlich unterpreisig verkauft werden müssen.

Immer wieder beklagen Händler den mittlerweile erheblichen, oft Stunden dauernden Aufwand, ihren Kunden bei der Auslieferung das Fahrzeug zu erklären. Doch oft müssen überforderte Autokäuferinnen und Autokäufer mehrmals zum erneuten Briefing ins Autohaus kommen, um die Bedienung ihrer Fahrzeuge zu beherrschen. Mit Einführung der neuen Systeme für alle Autos ist damit zu rechnen, dass der ohnehin erhebliche – oft nicht vergütete – Beratungsaufwand weiter steigen wird. Sind all diese Assistenten wirklich notwendig?

Gerade Ablenkung am Steuer gilt als eine der Hauptursachen für Unfälle. Nicht alle Assistenzsysteme funktionieren gleich gut, manche nerven oder zwingen zur Bedienung während der Fahrt auf einem zentralen Display, auf dem alle Informationen inklusive Geschwindigkeit abgelesen werden müssen. Ist eine neue Lösung tatsächlich immer ein Fortschritt?

Sehr sensibel reagieren Menschen auf ein oft exzessiv eingesetztes Warnton-Orchester, ausgelöst durch allgegenwärtige Assistenten. Zuweilen lenken die ab, verunsichern, überfordern. Nicht selten steigt im Zuge der lästigen Piepserei auch der Aggressionslevel deutlich an. Dreht sich dann noch der Blinkerschalter mit dem Lenkrad ist die Verwirrung komplett.

Da fühlen sich manche vielleicht in eine rollende Klapsmühle versetzt, aus der es kein Entrinnen gibt. Auch hier wären Hersteller gefordert, die Warnton-Orgien auf das Wesentliche zu reduzieren.

Fest steht, dass Assistenzsysteme Leben retten oder den Komfort erhöhen (oder manchmal auch schmälern) können. Wir werden mit ihnen leben müssen, hoffen auf intelligente Lösungen und erinnern uns an Goethes Ballade „Der Zauberlehrling“: „Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los“.

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