Wie mehrfach berichtet und kommentiert, war die Stimmung bei den Auto-Frühjahrsmessen sehr gut. Generell berichten die Händler schon seit Jahresbeginn von höherer Frequenz im Schauraum und „ehrlichem“ Kaufinteresse. Hat man in den vergangenen Jahren besondere Anreize schaffen müssen, um ‚kaufmüde‘ Kunden überhaupt zu einem Besuch ins Autohaus zu motivieren, kommen sie nun „von selbst“, wie ein Händler in Linz berichtete.
Die Zulassungszahlen sprechen für den März noch eine andere Sprache. Dabei ist zu hoffen, dass die Stimmung und die Frequenz nun auch bald in höhere Abschlüsse und Zulassungen umzuwandeln ist, aktuelle Rückmeldungen aus der Branche lassen das erwarten.
Die Gründe für die bessere Stimmung sind dabei sehr vielfältig. Das beginnt bei der Lieferfähigkeit, die endlich wieder gegeben ist. Denn die Kunden wollten einfach keine langen Wartezeiten mehr in Kauf nehmen und haben sich deshalb gar nicht mit dem Kauf beschäftigt.
Es geht weiter bei den Aktionen, Preisnachlässen und Rabatten, die neue Autos nun preislich wieder in Regionen des bisherigen Modells bringen. Einen großen Anteil am stärkeren Interesse haben Zinsstützungen durch die (Hersteller-)Banken. Die hohen monatlichen Belastungen durch den „Neuen“ waren für viele Kunden – auch wegen anderer Steigerungen der Lebenshaltungskosten – nicht zu stemmen. Oder wurden von den Banken gar nicht genehmigt.
Ein oft genannter Grund war die Verunsicherung bei den Antrieben. „Manche Kunden haben geglaubt, sie dürfen den neu gekauften Verbrenner bald nicht mehr fahren“, erzählte eine Händlerin in Linz. Diese Fehlinformation dürfte sich aufgelöst haben. Und auch im E-Bereich ist das Informations-Niveau jetzt höher. „Die Interessenten wissen heuer viel genauer, was sie möchten und was sie nicht möchten“, berichtete eine Händlerin in Graz.
Nicht zuletzt ist – nach Krisen und Krieg – der Wunsch der Konsumenten nach Normalität ein wichtiger Faktor, so die Interpretation eines Händlers in Linz. Die gute Stimmung hilft nun auch bei der Motivation der Mitarbeiter im Autohaus. „Die Messen waren extrem wichtig für die Verkäufer. Es tut gut, endlich wieder gute Gespräche führen“, so eine Meldung aus Graz.
Die hoffentlich baldige Lösung des Knopfs ist wichtig und vor allem: höchste Zeit. Die Autos wurden teilweise 2 bis 3 Jahre länger gefahren als geplant, das durchschnittliche Fahrzeugalter ist zuletzt um 2 Jahre gestiegen. Das ist momentan gut für die Werkstätten, aber auch die brauchen wieder Nachschub.
Das Geschäft ist viel volatiler als in den stabilen Autoverkaufs-Jahrzehnten davor. Der Kunde ist sensibel, es gibt sehr viele Einflüsse. Wirtschaft ist letztlich auch immer Stimmung und Optimismus, die der Unternehmer auf seine Mitarbeiter und Kunden ausstrahlen muss. Das war die vergangenen Jahre alles andere als einfach!
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