Eigentlich wäre die Diskussion über verpflichtende Führerschein-Checks nun schon vom Tisch, dennoch wird sie gebetsmühlenartig immer wieder angeheizt. Zuletzt bot die Sendung „Guten Morgen Österreich“ dazu Gelegenheit: Ein Verkehrspsychologe erklärte anlässlich eines tragischen Unglücks – ein 91-jähriger Mann hatte seine Frau vor seiner Garage im Retourgang überrollt – es gebe „eine höhere Unfallbelastung nach Kilometer und Population bei alten Kraftfahrern“ und dass ein alter Kraftfahrer (85+) laut Statistik bei 83 von 100 Unfällen als Unfallverursacher gelte. Man habe also ein Problem der Zukunft, es gebe dringenden Handlungsbedarf. 

Dieser Tage durfte eine Verkehrswissenschafterin der TU Wien, die auch Aktivistin der Initiative „Platz für Wien“ und „Wir machen Wien“ – die beide die Klima-Umgestaltung Wiens mittels radikaler Vernichtung des Autoabstell- und -Fahrraums zum Ziel haben, ihre Vorstellungen der Stadtentwicklung in der ORF-Bundesländersendung „Wien heute“ ausbreiten: Man müsse angesichts des Klimawandels die „Mobilität anpassen“ mit Radwegen und Begrünungen, es fehle aber an Tempo die selbsternannten Ziele der Stadtregierung zu erreichen. Die Expertin sieht das so: „Gut, dass wir in Wien bereits eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung haben. Aber mit den Bezirken haben wir oft noch sehr große Zonen. Es wäre sinnvoll, wenn wir kleinere Zonen hätten und auch die Preise staffeln. Denn im internationalen Vergleich ist das Parken in Wien noch sehr billig, das ist ein großer Hebel, den wir nutzen könnten, um den Autoverkehr zu reduzieren.“  

Davor war bereits das ständig im ORF präsente „Platz-für -Wien“-Sprachrohr Ulrich Leth unzählige Male ähnliche Ideen in „Wien heute“ losgeworden.

Ob die Dame darüber nachgedacht hat, wie die Stadt Wien mangels nicht mehr lukrierbarer Einnahmen – eine Stunde Parken kostet in Wien wochentags für Fahrzeuge ohne Parkpickerl zwischen 9 bis 22 Uhr ohnehin nur schlappe 2,50 Euro und somit pro Tag supergünstige 32,50 Euro – sämtliche Umbauten finanzieren wird, bleibt offen. Es ist anzunehmen, dass die Pedalritter (und vielleicht auch die Fußgänger) für die Erhaltung der Infrastruktur zur Kasse gebeten werden müssen und dafür ganz sicher auch vollstes Verständnis haben werden. Das wurde sie nicht gefragt.

Zuletzt wurde auch Wiens Verkehrsstadträtin Ulli Sima zum Interview gebeten:  Auf die Frage der ORF-Moderatorin, wonach es, wenn Radwege und Öffis weiter ausgebaut würden, Ziel sei, den Autoverkehr aus der Stadt maximal zu verdrängen, antwortete sie: „Naja zurückzufahren.“

Was Zuseher mittlerweile schmerzt, ist die fast missionarisch-unverhohlene Meinungsmache im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Menschen anderer Meinung die Chance zu geben, teilweise abstruse Visionen oder Schnapsideen kritisch zu hinterfragen oder offen mit deren Schöpfern diskutieren zu lassen, scheint für die Sendungsmacher ein absolutes No-Go. Hatte sich nicht der ORF genau diese Objektivität, in der heißen Phase der um das ORF-Gesetz entbrannten Gebührendebatte, auf die Fahnen geheftet?

Ja, wir sollen in Zukunft gefälligst zu Fuß gehen, dann die mittlerweile ständig hoffnungslos überfüllten Öffis – bitte nicht fluchend - ertragen, selig lächelnd in Saukälte oder brütender Hitze in die Pedale treten, aber  – wenn wir zu alt oder gebrechlich sind – ganz sicher nicht mehr Auto fahren. Stattdessen bestellen wir – wenn notwendig  – ein Lastenfahrrad-Taxi zum Arzt oder ins nächste Spital!

In Summe scheint offensichtlich jedes Mittel dem wahren Zweck zu dienen: Raus mit den Autos aus den urbanen Gebieten!

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