Wie der ÖAMTC berichtete, kamen 2023 laut Daten des BMI in Österreich 41 Radlerinnen und Radler ums Leben, 17 davon am E-Bike. Die Zahl der Fahrradunfälle mit Personenschaden sei seit 2013 von 6.375 Unfällen um 69 Prozent auf 10.745 im Jahr 2022 gestiegen. In den vergangenen zehn Jahren habe sich der Anteil der Alleinunfälle von 30 auf 44 Prozent erhöht – fast jeder zweite Fahrradunfall sei somit ein Unfall ohne Fremdbeteiligung.

Um die Radverkehrssicherheit zu verbessern, seien zielgerichtete Maßnahmen auf Basis einer evidenzbasierten Ursachenforschung notwendig. Und diese zeige, dass die Hauptprobleme geringe Regeltreue und mangelndes Fahrkönnen seien.  Bei detaillierter Betrachtung der Unfalltypen und -ursachen habe sich gezeigt, dass Geschwindigkeit nicht der Hauptfaktor sei. So wiesen 77 Prozent aller Fahrrad-Unfälle keinen Konnex zur höchstzulässigen Geschwindigkeit auf.

Weiters alarmierend: die Entwicklung der Unfallursachen in den vergangenen zehn Jahren, mit speziellen Problemfeldern: Nicht nur „Alkohol, Drogen oder Medikamente“ erhöhten sich als Unfallursache um 255 Prozent überdurchschnittlich, sondern auch die „Missachtung von Geboten und Verboten" um 197 Prozent. Bei allen Fahrradunfällen wurden mehr als 60 Prozent der Radfahrenden als Unfallhauptverursacher ausgewiesen.

Als Anrainer eines Wiener Innenbezirks bin ich selbst öfters mit dem Fahrrad unterwegs und habe das Gefühl, mich auf der Spielwiese eines Kindergartens mit antiautoritärem Schwerpunkt zu bewegen: Hier findet man viele Radlerinnen und Radler und vermehrt auch E-Roller-Fahrerinnen und Fahrer, die die Straßenverkehrsordnung nicht nur gegenüber Autofahrern sondern auch gegenüber Fußgängern komplett ignorieren: Permanente Missachtung des Rotlichts an geregelten Kreuzungen, ignorieren des Rechtsvorrangs, überfahren von Stopptafeln, illegales Befahren von Gehsteigen, und Gefährdung von Passanten sowohl auf Gehwegen als auch auf Schutzwegen oder Fahren ohne Licht bei Dunkelheit. Gleichzeitig dürfte es um den technischen Zustand vieler Fahrräder nicht zum Besten bestellt sein – doch entdeckt das die Polizei greift ja Gewesslers Fahrradausrüstungs-Strafrabatt. Es scheint, dass die Politik beim Fahrrad einen rechtlichen Freiraum geschaffen hat und nun die Quittung in Form der Unfallstatistik präsentiert bekommt, bei der Alleinunfälle eine dominierende Rolle spielen.

Es wäre auch notwendig, alle Teilnehmer im Straßenverkehr nach gleichen Kriterien zu überprüfen: Während das Thema Alkohol (und andere Drogen) beim Fahrrad oft als Kavaliersdelikt gilt, wird beim Auto per Zulassungsvorschrift der Alkolock eingeführt.

Das gilt auch für Schulungen:  Viel Motorisiertes, als Fahrrad „Getarntes“ fährt herum, ohne dass die Nutzer auch nur eine Schulung machen müssen, während Leicht-Kfz und Moped zu fahren eine Ausbildung voraussetzt.

Während man bei Autos etc. bei jedem Bauteil, das keine E-Prüfnummer hat, der Besitzer – bei einer Polizeikontrolle oder beim Pickerl – Schwierigkeiten bekommt, ist das bei Fahrrädern oder E-Rollern ohne Straßenzulassung eine heruntergespielte Bagatelle, die von der Politik mit der 33. StVO-Novelle noch unterstützt wurde.

  Nur weiter so!? Auch wenn das vielen Radlern nicht gefallen mag: Ohne entsprechende Maßnahmen und Schulungen (etwa einen verpflichtenden StVO-Grundkurs) sowie Kontrolle des technischen Zustands von „Fahrrädern“ sowie verstärkten Kontrollen der Fahrtüchtigkeit werden die Unfallzahlen weiter steigen.

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