Als kleiner Disclaimer zu Beginn. Ich bin neu in der Automotive-Branche. Meine Kolleginnen und Kollegen haben schon mehr Auto- oder Zweirad-Messen vergessen, als ich je besucht habe. Aber Erfahrung braucht es in diesem Fall gar nicht. Denn die nackten Zahlen sprechen für sich. Knapp über 55.000 Besucher an drei Messetagen ist die Bilanz der moto-austria in Wels. Ein Besucherrekord und damit ein klares Signal, dass Messen noch lange nicht tot sind.

Ja, es stimmt. Messen sind harte Arbeit. Für die Veranstalter, für die Aussteller und auch für uns Journalisten. Aber die harte Arbeit zahlt sich aus, wenn man ein dankbares Publikum damit anspricht. Zweirad-Fahrer sind Enthusiasten. Niemand muss mit dem Motorrad fahren, aber viele wollen es. Und darum ist ein Schaulaufen der bekanntesten Marken von Harley Davidson über KTM bis hin zu Nischen-Herstellern wie den E-Motorrädern von Zero Motorcycles ein gefundenes Fressen für Motorrad-Fans. Wenn man sich schon keine Harley leisten kann und will, dann zumindest einmal für den Preis eines Messeeintritts auf einer sitzen. Und nebenbei noch ein bisschen Motocross-Show, Plauschen mit Gleichgesinnten und Merchandise-Artikel mitnehmen.

Und das Geschäft mit Zweirädern wird immer wichtiger. Fast alle befragten Messeaussteller hatten ein Thema gemeinsam: Händlersuche fernab der altbekannten Pfade. Viele Autohändler wollen ihr Angebot verbreitern, um so vor allem den Aftersales-Markt zu beackern. Und wer Motorradfahrer kennt, weiß, dass es da mit einem Hinterreifen pro Saison nicht getan ist. Für Autohändler ist es also höchste Zeit, sich auch mit Fahrzeugen zu beschäftigen, die weniger als vier Räder haben.

Und noch ein Satz zum Thema Messesterben: Vielleicht sollten sich die Herren und Damen Messeveranstalter von Automessen ein Scheibchen von der moto-austria abschneiden. Dort herrschte eine gewisse "Wir"-Mentalität. Zweirad-Fans unter sich. Und gerade bei den Automessen, die ich so besucht habe, hat man oft das Gefühl, dass jeder Hersteller für sich sein und nur nicht beim Nachbar anecken will. Dabei wäre es so einfach, denn wenn man ehrlich zu sich selbst ist: Dieses "Wir"-Gefühl würde auch bei Autofans funktionieren.