Zuletzt stand Frankreich mit Absichtserklärungen in der Zeitung, verstärkt Vollatom geben zu wollen. Die Franzosen gelten in Europa nicht zu Unrecht als Grande Nuklear-Nation: Man ist weltweit die Nummer zwei nach Anzahl von Meilern und die Nummer eins nach Atomstromproduktion pro Kopf. Zuletzt waren allerdings zwischen Elsass und Biskaya etwa die Hälfte der AKW im Sommer abgeschaltet, wegen veralteter und unsicherer Technik - oder wegen Kühlwassermangels in den Hitzesommern des gewandelten Klimas. Was die Enkelfitness von Frankreichs Nukleartechnik betrifft, googeln Sie einfach „EPR Flamanville“. Dazu kommt: Auch im Lande Henri Becquerels und Marie Curies wachsen PV und Windenergie schneller als alles andere.
Letzteres gilt auch für China. Wie mir – sicherlich mit ehrlichem Abscheu – berichtet wird, plant man im Reich der Mitte, in den nächsten 15 Jahren 42 AKW neu zu errichten, womit dann dort etwa gleich viele Atome gespalten würden wie in den USA heute. Deutlich schneller wächst auch in China Solar und Windenergie.
Global vermeldet die internationale Energieagentur IEA sinkende Atomstromproduktion, übrigens auch in Frankreich. Der Spitzenwert von weltweit etwa 450 Terawattstunden (TWh) pro Jahr aus dem Jahr 2005 wurde seither nicht wieder erreicht. Auch die Zahl der in Betrieb befindlichen AKW stagniert laut Statista: Brummten 2001 noch 438 Atommeiler, waren es 2022 nur noch 411. Im selben Jahr wurde für 8 AKW weltweit der Grundstein gelegt.
Rapide wächst hingegen laut IEA die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen. In dem Bericht Renewables 2023 schreiben die selbst ernannten Energie-Buchhalter der Welt von einer Steigerung der globalen Produktionskapazität um fast 50 Prozent. Besonders hervorgehoben wird die Geschwindigkeit, mit der Chinas PV-Sektor wächst. Damit werde das neue Land der unbegrenzten Möglichkeiten zum „Renewables-Powerhouse“, wie die IEA schreibt. 95 Prozent des Erneuerbaren-Wachstums bis 2028 werden auf Solar und Wind zurückgehen, und für 60 Prozent des Erneuerbaren-Wachstums global wird China verantwortlich zeichnen.
Das sollte für die nächsten zwei, drei Stammtische reichen. Und wenn meine fossilienaffinen Bekanntschaften dann argumentativ in den Seilen hängen, werde ich sie mit Marc Jacobson traktieren, dem Stanford-Professor, der in seinen Büchern (100% Clean, Renewable Energy and Storage for Everything oder No Miracles Needed: How Today’s Technology Can Save Our Climate and Clean Our Air) die totale Energiewende vorrechnet - ganz ohne "nukular".
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