Als ich vor ungefähr 10 Jahren beim A&W-Tag auf der Bühne stand und erklärte, warum das Autogeschäft in einigen Jahren nicht mehr bei den HändlerInnen liegen wird, gab es im Publikum heftige Gegenstimmen und Diskussionen.
Nun, gerundet 10 Jahre später, haben wir folgende Situation vorliegen: Ein Großteil der Hersteller und Importeure haben als ersten Schritt auf ein Agentursystem umgestellt, womit das Geschäft de jure nicht mehr beim Händler, sondern beim Hersteller/Importeuer angelangt ist. Die Arbeit jedoch haben ausschließlich die Händler - gegen eine kleine Provision.
Die wertvollen Kundenadressen sind schon längst unter dem Deckmantel der Garantiearbeiten zu den Herstellern gewandert und kann dieses wertvolle Gut problemlos von jedem Hersteller selbst benutzt oder einem anderen Händler zur Verfügung gestellt werden.
Nun kommt der nächste Schritt: AMAZON gibt bekannt, dass eine Kooperation mit Hyundai eingegangen wurde und die Autos in Zukunft über AMAZON gekauft werden können. Darüber hinaus sind diese mit ALEXA ausgestattet, womit der/die gläserne FahrerIn realisiert wurde.
Die Motorrad-Importeure und -Hersteller beginnen den Automarken nachzueifern und auch da gibt es bereits unübersehbare Anzeichen – wie z.B. die Verwendung eines eigenen Vertragsmusters, den die Hersteller ihren Händlern vorschreiben und den sie im Namen eines Dritten abschließen sollen. Wie das rechtlich funktionieren soll, ist mir bis dato nicht klar.
Im Aftersales-Geschäft haben sich schon in den letzten Jahren Paketpreise durchgesetzt, die nicht mehr der Kalkulation der HänlerInnen unterliegen, sondern dem Hersteller.
Conclusio: HändlerInnen sind heutzutage nur mehr in einem ganz minimalen Bereich selbstständige Unternehmer und zum Großteil nur noch Erfüllungsgehilfen. Die HändlerInnen begeben sich in eine immer größere Abhängigkeit und die ganze Situation erinnert mich an vergangene Zeiten des Zirkus als Löwen auf Zuruf noch durch einen brennenden Ring springen mussten.
Wie in Amerika die NADA, die freiwillig unterstützt wird, sollte es auch in Österreich eine solche Unterstützung der jeweilige Wirtschaftskammer durch die HändlerInnen geben, damit diese mit einer breiten Brust den Herstellern gegenüber treten kann – aber dies sage ich ja schon lange.
In diesem Sinn wünsche ich einen positiven Abschluss 2023!
Komm.-Rat Prof. Burkhard W.R. Ernst ist Bundesgremialobmann-Stv. des Fahrzeughandels, Obmann des Vereins „Mein Auto“ und GF der Rainer Kraftfahrzeughandels GmbH.
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