1997 wurde in der Schweiz diese Steuer für Personen- und Lieferwagen eingeführt. E-Autos waren von Beginn an davon befreit, weil der Bundesrat Anreize für die Entwicklung der E-Mobilität schaffen wollte. 26 Jahre später – im 1. Halbjahr 2023 – wurden mit über 30.000 importierten BEV ein E-Auto-Anteil von 23 Prozent erreicht.
Doch diese Steigerung, so die eidgenössischen Säckelwarte, führe zu einem spürbaren Rückgang der Einnahmen aus der Autosteuer: Für das Jahr 2022 belaufe sich der Steuerausfall auf rund 78 Millionen Franken, im laufenden Jahr werde ein Ausfall von rund 100 bis 150 Millionen Franken erwartet. Bei einer Weiterführung der Steuerbefreiung würden die kumulierten Steuerausfälle für die Jahre 2024 bis 2030 auf 2 bis 3 Milliarden Franken geschätzt, wie der Bundesrat seine Gesetzesänderung begründete.
Auch in Österreich ist der Anteil von E-Autos am Gesamtmarkt stark gestiegen: Laut Statistik Austria wurden heuer von Jänner bis Oktober 39.272 Pkw mit Elektroantrieb neu zugelassen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum (26.764 Stück) ist das ein Anstieg um 12.508 Einheiten oder 46,7 Prozent.
Gleichzeitig werden E-Autos – abgesehen von etwaigen Kaufprämien – hierzulande großzügig mehrfach gefördert: Bei Anschaffung eines (Elektro-)Fahrzeugs mit einem direkten CO2-Ausstoß von 0 Gramm entfällt nicht nur die NoVA; der (Firmen-)Kunde erspart sich anschließend die jährliche motorbezogene Versicherungssteuer, ist zudem bis zu 40.000 Euro Fahrzeugbruttopreis uneingeschränkt zum Vorsteuerabzug berechtigt und die Privatnutzung des E-Firmenwagens ergibt keine Sachbezugs-Hinzurechnung seiner Lohnsteuer.
Aktuell manifestiert sich der Kampf ums Steuergeld im Zuge der Budgetdebatten in Form von Schreiduellen in Österreichs Hohem Haus. Obwohl steigende Steuern speziell für das Auto Tradition haben – derzeit in Form der jährlich steigenden CO2-Bepreisung – könnten sich bei den Fiskaleinnahmen bald „Löcher“ auftun: Einerseits durch den stetig wachsenden E-Mobilitätsanteil und im Gegenzug sinkender Einnahmen aus dem Verbrauch von Fossilkraftstoffen. Dann könnten früher oder später auch hierzulande künftige Bundesregierungen auf die Idee kommen, E-Autos zur Rettung des maroden Budgets heranzuziehen und die Stromer von ihren Steuerprivilegien zu „befreien“.
Doch das hätte gewiss fatale Folgen – weniger für die Autobranche als für Vater Staat: Denn schon heute entscheiden sich Private nur zögerlich und selten für (die oft für sie kaum leistbaren) E-Autos; diese leisten sich vor allem Unternehmen, Behörden und Gemeinden. Will die Regierung E-Mobilität weiter auf Österreichs Straßen etablieren, wird sie gut beraten sein, nicht an der Steuerschraube zu drehen. Denn bereits der Wegfall einzelner E-Auto-Vorteile oder -Begünstigungen könnte sich angesichts sehr kostensensibler Kunden als massiver Dämpfer der Gesamtnachfrage und des Gesamtmarkts entpuppen.
Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.
