Endlich entgegnet die Wissenschaft, die Wirtschaft und die Presse immer mehr den indoktrinierten Botschaften gewisser Kreise, die 100% Elektromobilität für unumgänglich halten.
Um es klar zu stellen: Ich bin überzeugt, dass die Elektromobilität einen großen Anteil an unserer zukünftigen Mobilität haben wird. Da gibt es sinnvolle Anwendungen wie Handwerker und Dienstleister in Ballungsräumen, Pendler aus dem Speckgürtel von Ballungsräumen und alle die – wie diese genannten Beispiele – wenige fahren und/oder das Fahrzeug als Transport- und Lagerraum für Werkzeuge, Werkstoffe oder Transportgut benötigen. Ich kann mir auch im Hinblick auf die EU Agenda 55 kaum vorstellen, dass für derartige Anwendungen in Ballungsräumen oder Innenstädten zukünftig noch Verbrenner erlaubt sein werden. Auch das Thema Leadeinfrastruktur ist bei diesen Anwendungen wenig relevant, da durch die geringen Kilometerleistungen eine Ladung über Nacht an einer „herkömmlichen Steckdose“ in der Garage, dem Carport, der Werkstatt oder dem Stellplatz vollkommen ausreichend ist, um den Energiebedarf des nächsten Tages zu decken.
Auf der anderen Seite gibt es aber leistungs- und zeitkritsche Mobilitäten die mit der Elektromobilität nicht und – bei allem optimistischen Glauben an große Technologieschritte – auch in absehbarer Zukunft nicht abgedeckt werden können. Ich spreche nicht nur von Luftfahrt, Schiffahrt, öffentlichen Einsatzfahrzeugen, Offroadeinsätzen, performanten Fahrzeugen oder Einsätze in Regionen der Erde ohne nennenswerte Infrastrukturen. Ich sprechen von Dienstleistern wie mir, die regelmäßig 2-4 Termine und 400-1000km pro Tag absolvieren müssen.
Das bringt mich zum eigentlichen Thema, der Technologieoffenheit. Elektromobilität ist sehr wichtig und gut, auch wenn wir die kritischen Themen seltene Erden und Infrastruktur mit einbeziehen. Es wird ein fixer und wichtiger Bestandteil unserer zukünftigen Mobilität sein Aber wir brauchen auch andere Antriebsformen um die gesamte Mobilität der Zukunft abdecken zu können. Da dürfen Brennstoffzellen, E-Fuels und Wasserstoffantriebe keinesfalls verboten oder stigmatisiert werden! E-Fuels können nur jenes CO2 freisetzen, dass vorher aus unserer Umwelt entnommen wurde! CO2-Neutralität par excellence! Gleichzeitig können wir auf bestehende Infrastruktur zurückgreifen und viel wichtiger: Wir können damit auch Bestandsfahrzeuge und so auch ältere Technologie Co2 neutral betreiben.
Die Produktion von E-Fuels im industriellen Stil ist bereits angelaufen und 2023 sollen erste größere Mengen verfügbar sein. Die EU will im Zuge des Green Deals eine verpflichtende Quote von 2,6 bis 5,7% grünen Wasserstoffs und E-Fuels im europäischen Verkehrssektor beschließen. Das bedeutet ein Diesel-Aquivalent von umgerechnet 14 bis 30 Milliarden Liter. Auch das sind gewaltige Potentiale zur CO2 Reduktion!
Und bitte lassen sie sich nicht vom immer wiederkehrenden und nur vermeintlichen Totschlagargument der Effizienz von E-Fuels oder Wasserstoff als Energiespeicher irritieren. Ich bin kein Wissenschaftler, versuche mich aber zu dem Thema am Laufenden zu halten. Derzeit gehen selbst die pessimistischsten Studien zur Abdeckung unseres weltweiten Energiebedarfs durch Solarzellen (unter Berücksichtigung von Wirkungsgrad, Transport- und Speicherungsverlusten!) von einer Fläche aus, die nur etwa die Hälfte Deutschlands beträgt. Diese Fläche reduziert sich nach Abzug bestehender erneuerbarer Energiequellen und den Einsatz von Solarreaktoren statt Solarzellen nochmals signifikant! Wenn wir in Betracht ziehen, dass solche Flächen in fast unbesiedelten Gebieten mit entsprechend hoher Energieeinstrahlung am Nachbarkontinent Afrika aber auch in Australien und sicher noch anderen Regionen dieser Erde ausreichend vorhanden sind, relativiert sich das Thema Effizienz bei der Energiespeicherung im Wasserstoff.
Technologieoffenheit hat die Menschheit in der Vergangenheit immer weitergebracht. Auch beim Umstieg von Pferd auf Bahn und Automobil gab es Gegner dieser Alternativen. Ich hoffe, dass sich auch diesmal wieder die die richtige Technologie für die richtige Anwendung durchsetzen wird. Lassen Sie uns alle daran arbeiten, die Indoktrinierer von den alternativen Möglichkeiten zu überzeugen, dann hat auch die Industrie die Chance zukunftssicher in diese Technologien zu investieren und uns eine CO2 neutrale Zukunft zu ermöglichen.
*Horst Pohl ist mit der HP Autohausconsulting Unternehmensberater mit Schwerpunkt Automobilbranche.
Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.
