Um 1.400 Prozent erhöht habe sich der Marktpreis für Strom in den letzten Monaten. Muss ich am Ende mein Streaming-Abo kündigen?

Schnell vorher noch eine Doku reinziehen: Gebannt schaue ich zu, wie in Deutschland ein stillgelegter Atommeiler abgebaut wird. Seit den 1990er-Jahren ist man damit beschäftigt, vorsichtig den verstrahlten Putz von den Wänden zu klopfen und in Fässer zu packen, damit diese dann – ab 2027 – in einem um hunderte Millionen umgebauten Bergwerksschacht zwischengelagert werden können. Derweil tüftelt man in Frankreich an den Meilern der nächsten Generation, leider erfolglos, weshalb die alten Brüter um Jahrzehnte verlängert werden müssen.

Wovon man (wieder einmal) nix hört, ist eine große Offensive für dezentrale Energiewirtschaft mit Photovoltaik und Windkraft. Das wäre zwar teuer, aber dafür nachhaltig, sicher und geeignet, die gebetsmühlenartig beschworene immerwährende Abhängigkeit Europas von Energie-Importen zu verkleinern, wenn nicht sogar zu beenden. Darüberhinaus vertrüge sie sich bestens mit der Elektromobilität.

Leider passt eine solche Energiewirtschaft nur schlecht in die Businesspläne der großen Energiekonzerne, an deren Zutz (ugs. für: Zitze) wir alle hängen – und auch hängen bleiben sollen: Immerhin brauchen die großen Versorger Europas unsere Steuergelder für die verfehlten Börsenspekulationen von heute und dafür, die Altlasten der verfehlten Technologieentscheidungen von gestern zu entsorgen.

Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.