Erst jüngst meldete sich Peter Buchmüller, Präsident der Salzburger Wirtschaftskammer, zu Wort: Gewerbe, Handwerk, Handel, Tourismus – in vielen Branchen trieben derzeit die massiv erhöhten Strompreise, zusätzlich zu stark gestiegenen Gas- und Ölpreisen, die Unternehmerinnen an den Rand der Verzweiflung, so sein Statement. Die WK erhalte Nachrichten und Beschwerden von Betrieben, deren Neuverträge oft bis zu elffach höhere Strompreisen vorsähen als sie bisher bezahlt hätten. Das könnten sich die Unternehmen aber nicht leisten.
Viele fragten sich daher, wie sie das noch schaffen könnten, so Buchmüller. Die immer wieder geäußerte Empfehlung, die Unternehmen sollten die exorbitant gestiegenen Energiekosten über Preiserhöhungen an die Konsumenten weitergeben, hält Buchmüller angesichts einer fast zweistelligen Inflationsrate für höchst problematisch. Viele Menschen könnten sich dann Produkte und Services nicht mehr leisten. Schon jetzt stünden die Konsumenten auf der Bremse, die Betriebe klagten bereits über Einbußen. Eine noch höhere Teuerung hätte unabsehbar negative Folgen.
Auch im Nachbarland Deutschland rumort es: Kostensteigerungen bei der Gasversorgung um das Vierfache – und das noch vor der angekündigten Gasumlage, wie der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) warnt. Viele der überwiegend mittelständischen Kfz-Betriebe stünden wirtschaftlich am Abgrund. Weshalb ZDK-Präsident Jürgen Karpinski jetzt die Spitzenverbände DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) und ZDH (Zentralverband des Deutschen Handwerks) um politische Unterstützung bei der Krisenbewältigung gebeten hat.
Die exorbitanten Preissprünge könnten die Betriebe nicht auf die Kunden abwälzen, denn die seien ja genauso betroffen, so Karpinski. Insofern zehrten diese enormen Kostensteigerungen die im Kfz-Gewerbe ohnehin schmalen Margen komplett auf. Wenn Unternehmen aufgrund ausbleibender wirtschaftlicher Entlastung in die Insolvenz gehen müssten, verlören die Beschäftigten ihre Arbeitsplätze.
In Zeiten sinkender Margen, die neue Vertriebsmodelle voraussichtlich in großen Teilen weiter nach unten drücken werden, stellen explodierende Betriebskosten eine ernsthafte Bedrohung auch für heimische Kfz-Betriebe dar. Das sollte auch den Autoherstellern klar sein, denen ihre Partner für den „Abwurf von Ballast“ in den Markenstandards dankbar wären – zum Beispiel in Form einer energieeffizienteren, „schlankeren“ Variante zur weiterhin wirkungsvollen Schauraumgestaltung. Vor allem in den meistens mit Gas betriebenen Lackierereien lässt sich der Umstieg auf alternative Energie wohl nicht kurzfristig realisieren. Rasches Handeln und nachhaltige, auch staatliche, Unterstützung – in welcher Form auch immer – sind angesagt, bevor General Winter bei uns einmarschiert. Geschieht dies nicht, ist es wohl für viele, sobald die Belastungslawine in Form der Strom- und Gas-Jahresabrechnungen offenbar wird, zu spät.
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