Trotz des Anstiegs der Strompreise ist das Laden von Elektroautos noch deutlich günstiger als das Tanken von Benzin und Diesel – das zeigt eine Preis- und Marktanalyse der AK Wien, in deren Rahmen 28 Tarife von 16 Anbietern untersucht wurden. Dabei gilt allerdings: Augen auf bei der Tarif-Wahl! Denn während der Durchschnittspreis für 100 geladene Kilometer an der öffentlichen Ladestation laut AK heuer bei 10,57€ liegt, landet man mit Direct-Payment im Schnitt bei 14,38€ und somit doch teurer als bei der Betankung eines Verbrenners (Diesel 13,23€, Benzin 14,28€). Der Hund liegt aber wie so oft nicht nur hier im Detail begraben.
Auch bei der Wahl der Ladekarte an den unterschiedlichen Ladesäulen treibt der Tarifdschungel teils komische Blüten. Während man bei Smatrics laut Tarifangaben der Website des Unternehmens (im Tarif Single.Plus Net) für das Laden mit bis zu 22 kW 0,15€ pro Minute (9€ pro Stunde) berappen muss, bezahlt man mit einer Ladekarte von Wien Energie im Tarif „Tanke Start“ an den 22-kW-Ladesäulen der Partner nur 8€ pro Stunde. Dieser Unterschied ändert sich erst mit jenen Tarifen, bei denen eine monatliche Grundgebühr fällig wird.
Schön wäre es, wenn das die einzigen derartigen Auswüchse wären, mit denen sich die E-Mobilisten herumschlagen müssten. Doch – Sie ahnen es – weit gefehlt. Noch immer wird an den meisten Ladesäulen nach Zeit abgerechnet. Das wäre noch nicht so dramatisch, würden die Lader auch die angegeben kW-Leistungen erzielen. Es mag auch sein, dass das oft der Fall ist, meine persönliche Erfahrung hat allerdings ein anderes Bild gezeigt: Nach rund 3 Stunden am 11-kW-Lader befanden sich gut 12 kWh mehr im Akku als zuvor. Die Abrechnung nach Zeit bringt in so einem Fall also genau einer Seite einen Vorteil – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Man stelle sich einmal vor, dem Verbrenner-Fahrer würde an der Tankstelle eröffnet, dass sein Tankvorgang künftig nach Minuten abgerechnet wird. Lediglich eine Maximalleistung der Zapfsäule gibt der Tankstellenbetreiber dazu noch an, ob diese allerdings erreicht wird, steht in den Sternen. Klingt absurd, ist es auch. Die Politik wäre daher gut beraten, den Forderungen von AK und anderen Vertretern zu folgen und hier regulierend einzugreifen.
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