Offensichtlich schmecken dem Handel die vom Konzern geplanten Provisionsmodelle ganz und gar nicht. Mehr als 800 Händler und Servicepartner forderten bei der Tagung in Hannover mehr Geld für ihre Leistungen. Man könne die derzeit im Konzern herrschenden Vorstellungen zum Agenturgeschäft nicht akzeptieren, unterstrich Dirk Weddigen von Knapp, Präsident der deutschen Volkswagen- und Audi-Händler (VAPV). Deshalb lehnte die versammelte Händlerschaft die vorgeschlagenen Provisionsmodelle einstimmig ab.

Auch den im GW-Geschäft geplanten Änderungen – Leasing-Rückläufer anstatt direkt vom Handel künftig generell von Volkswagen Financial Services verwerten zu lassen – wollen die Händler nicht zustimmen, weil damit ein wesentlicher Teil ihres Geschäfts entfiele.

Wenn nun bereits Handelspartner im Heimatland des Konzerns offen den Aufstand proben, ist anzunehmen, dass es hinter den Kulissen manch anderer Hersteller, die ihren Vertriebspartnern quasi einen Maulkorb verpasst haben, wohl auch gewaltig brodelt.

Ist es also zukünftig das Ziel vieler Hersteller, ihre treuen Vertriebspartner von den profitabelsten Geschäften sukzessive zu „befreien“?

Offensichtlich hat der Handel erkannt, dass mit den vorgeschlagenen Geschäftsmodellen verschiedener Hersteller der wirtschaftliche Betrieb nur schwer aufrecht zu erhalten sein könnte. Wie Autobauer Investitionen und Erträge im Vertrieb zu ihren Gunsten umverteilen wollen, gefällt vielen Vertriebspartnern nicht mehr. Manche proben bereits den Aufstand, andere ballen schon die Faust in der Hosentasche.

Die Vorgangsweise mancher Hersteller sollte die stets um Wettbewerb bemühte EU-Kommission bereits im Ansatz auf den Plan rufen und nicht erst, nachdem Handelsbetriebe, die wegen fehlender Belieferung derzeit ihre Geschäfte nicht in wirtschaftliche Erfolge ummünzen können, reihenweise aufgeben müssen.

Mit dem Aufstellen klarer gesetzlicher Regeln, die keine Hintertüren offenlassen und als wirtschaftliche Grundlage für die Geschäftsbeziehungen zwischen Herstellern und den von ihnen abhängigen Partnern dienen, wäre dem Handel wohl nachhaltig geholfen – bevor er sich unter dem Druck bereits getätigter Investitionen die Schlinge ertragsloser Geschäfte um den Hals legen lässt.

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