Das Jahr 2022 ist für die Branche bisher ein Wechselbad der Gefühle: Nach dem Neuzulassungsplus von 10,5 Prozent im Jänner (aber nur auf kümmerliche 15.619 Pkws im Vergleich zu den 22.959 im Jänner vor der Pandemie) kamen vier negative Monate in Folge: -18,9% im Februar, -30,1% im März, -26,6% im April und -24,0% im Mai. Macht kumuliert ein Minus von 20,8% nach fünf Monaten.
Gespannt wartete man daher auf die Rohdaten des Junis. Und es kam wie befürchtet: Die Zahlen weisen mit 22.835 Neuzulassungen neuerlich einen deutlichen Rückgang aus, denn im Juni 2021 waren 26.075 neue Pkws in Österreich angemeldet worden (nach 26.676 im Juni 2020, als die erste Wiedereröffnung nach der Pandemie eingeleitet wurde).
Die Zahlen sind ein Drama: Denn wenn man auf die Werte vor der Pandemie schaut, so war der Juni stets einer der Monate mit den meisten Zulassungen im Jahresverlauf. 32.529 waren es 2019, gar 38.015 anno 2018, und auch 2017 liest sich mit 35.441 Stück wie ein Wunschkonzert aus längst vergangenen Zeiten.
Was das bedeutet, hat Stefan Hutschinski, Einzelhandelssprecher im Bundesgremium des Fahrzeughandels, vor wenigen Tagen gesagt, als er von einer „existenzbedrohenden Situation für viele Betriebe“ sprach. Durch die massiven Lieferverzögerungen gebe es deutliche Fehlbeträge für die Händler, die ein Abdecken der Fixkosten erschweren.
Das Schlimme daran: Die Verkäufer kann man ja auch nicht in Kurzarbeit schicken, da das Interesse der Kunden an Neuwagen ja Gott sei Dank relativ ungebrochen scheint. Und in jener Zeit, wo kein neuer Kunde im Haus ist, müssen die Verkäufer Lösungen für die zu Recht erbosten Kunden finden, bei denen der Liefertermin für ihr Auto wieder einmal verschoben wurde.
Und die Statistik am Ende des Jahres? Die wird tief rot sein. Rechnet man die Rohdaten vom Juni hinzu, schließt das erste Halbjahr mit 108.681 Neuzulassungen ab, in den ersten 6 Monaten 2021 waren es 134.396 gewesen. Damit liegt 2022 sogar unter den Zahlen von 2020, als wegen des langen Lockdowns im ersten Halbjahr 112.787 neue Pkws zugelassen wurden.
Wie sagte es Dr. Hans Peter Schützinger, Vorstandssprecher der Porsche Holding, in einem Advertorial für die Tageszeitung „Die Presse“ am vergangenen Wochenende? „Die Belieferung mit Neuwagen wird sich auf absehbare Zeit anspruchsvoll und volatil gestalten, von einer Normalisierung ist frühestens im nächsten Jahr auszugehen.“
Man muss fürchten, dass das genau so sein wird. „Was am Jahresende unterm Strich herauskommt, können wir nicht vorhersagen.“ © Schützinger
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