Unlängst durfte ich einer schicken virtuellen Präsentation beiwohnen. Es ging um eine Art voll biologisch abbaubaren Transporter, der sich bei Nichtbenutzung beinahe von selbst zersetzt. Die Studie an sich war jetzt nicht so spannend oder gar realitätsnah, doch zwischen Türverkleidungen aus Vollkorn und veganen Lenkrädern erwähnte die Moderatorin ein System aus Pumpen und Filtern, das den von den Reifen produzierten Feinstaub und Straßenabrieb fangen und speichern soll. Weil nämlich: Vom gesamten Emissionskuchen eines modernen Pkw oder Nfz kommt den eigentlichen Abgasen nur mehr ein geringer Teil zu. Der Rest besteht aus Reifenabrieb, dem abgerubbelten Straßenbelag und natürlich den verschleißenden Bremsbelägen.
Ob wir hier von Pandoras nächster Box reden, die gerade aufgestoßen wurde? Das Auto begleitet in seiner Geschichte schließlich ein Feindbild nach dem anderen. Nach Kohlenmonoxid war es der Feinstaub, dann die Stickoxide und schließlich das allgegenwärtige CO2. Immer gab es also gute Gründe, Abgasreinigungssysteme zu verbessern, Steuern zu erhöhen und Richtlinien zu verschärfen. Man könnte somit naiv der Meinung sein, mit der Elektromobilität sei diese Taktik ein für alle mal vorbei, weil es nichts mehr zu verbessern gibt. Oder, man sieht jetzt die Zeit gekommen, sich um die anderen Umwelteinflüsse zu kümmern, die bislang unbemerkt produziert wurden. Und somit auch die emissionsfreien Stromer sanktionieren zu können.
Ich hätte da auch schon einen Vorschlag: Wie wäre es mit TAE, dem Total Amount of Emissions? E-Autos sind schwer, Reifenverschleiß und Bremsenabrieb entsprechend hoch. Gut möglich also, dass man hier auf bedenkenswerte Werte kommen könnte, und vielleicht wäre es im Sinne unseres Klimas tatsächlich an der Zeit, sich über diese Kennzahlen Gedanken zu machen? Oder hoffen wir einfach, dass sich alle wieder auf vegane Lenkräder konzentrieren, und nicht der nächste Eklat dem Automobil noch mehr den Garaus macht.
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