Es gibt sie kaum mehr bei uns, jene Männer, die Sonntag für Sonntag mit dem Schwamm in der Hand ihr Auto waschen – und auch bei den Waschstationen am Land ist weniger Betrieb als in früheren Jahren, so zumindest mein Gefühl.
Ganz anders die Situation in Albanien, wo ich vor 10 Tagen war: Einfach so, weil mich dieses Land immer schon interessiert hat – und ein verlängertes Wochenende in Tirana extrem spannend ist. Natürlich möchte ich Ihnen die beiden riesigen unterirdischen Bunker für einen Besuch empfehlen, in denen Diktator Enver Hodscha mit seinen Getreuen einen Atomkrieg überleben wollte. Die Albaner haben ihre Vergangenheit gut aufbereitet!
Doch ebenso spannend ist der automobile Alltag: So ein schönes, blitzend neues Autohaus wie jenes von Mercedes in Tirana habe ich schon lang nicht mehr gesehen! Überhaupt: Die Marke mit dem Stern ist unübersehbar. Wer jahrzehntelang kein Auto besitzen durfte und etwas Geld gespart hat, kauft sich einen Mercedes. Aber auch Audi Q8, BMWs in allen Größen (oft mit komplett verdunkelten Scheiben) kurven durch die Stadt.
Hingegen sind (im Gegensatz zu anderen Ländern) uralte, schrottreife Fahrzeuge kaum sichtbar: Logisch, denn der Besitz von Autos ist ja erst seit den 1990er-Jahren gestattet, und auch da hatten die Albaner nicht gleich das Geld für ein eigenes Fahrzeug.
Was mich aber am meisten gewundert hat, und jetzt schließt sich der Kreis: Waschanlagen für Autos („Lavazh“) gibt es an allen Ecken, selbst in irgendwelchen Hinterhöfen im Stadtzentrum von Tirana. Und sie sind fast alle gut besucht, wie bei uns in früheren Zeiten. Wie bei uns sind zumindest 90 Prozent der Kunden Männer.
Männer, die ihr Auto lieben.
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