Laut Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) erklärten in unserem Nachbarland 80 Prozent der an einer aktuellen Blitzumfrage teilnehmenden  Betriebe (708 von insgesamt 884 ), sie seien von Stornierungen der Fahrzeugbestellungen durch ihren Hersteller betroffen gewesen: In den letzten drei Monaten seien jedem Händler durchschnittlich rund 37 Fahrzeugbestellungen storniert worden.

Hochgerechnet auf 80 Prozent der 14.600 deutschen Markenautohäuser seien das rund 430.000 bestellte Fahrzeuge, die nun nicht mehr geliefert werden, so ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn: Das sei ein großes Problem für den ohnehin bereits krisengeschwächten Automobilhandel. Es dränge sich der Eindruck auf, dass die Hersteller und Importeure möglicherweise ihre Probleme auf den Handel und die Kunden abwälzten, die für diese Probleme gar nichts könnten und durch lange Lieferzeiten schon genug gebeutelt seien. Rund 80 Prozent der Befragten reklamierten auch mangelnde Kompensation oder Hilfe vom Hersteller oder Importeur. Immerhin ignorierten diese außer den Konsequenzen für die vielbeschworene – bei vielen Fabrikaten für die Vergütung entscheidende – Kundenzufriedenheit offenbar, dass mit Annahme einer Bestellung ein rechtskräftiger Vertrag zustande gekommen sei, der nicht ohne weiteres einseitig geändert oder storniert werden könne.

Peckruhn unterstreicht: „Wer als Hersteller oder Importeur immer wieder das partnerschaftliche Miteinander mit den Handelsorganisationen postuliert, ist spätestens jetzt in der Pflicht zu handeln.“ Denn Stornierungen hätten nicht nur negative Konsequenzen für die Rentabilität der Händler aufgrund des Entzugs eines wichtigen Teils der Geschäftsgrundlage.

Einmal mehr setzen die Hersteller – gewollt, getrieben oder ungewollt – ihre Händlerpartner unter Druck und lassen die samt ihren Kunden am ausgestreckten Arm hungern. Steckt dahinter System – um (aufmüpfige) Händler mürbe zu machen oder verbirgt sich dahinter das Ziel, durch bevorzugte Auslieferung rentablerer (Luxus-) Modelle und E-Fahrzeuge Gewinnmaximierung zu betreiben oder das Ausmaß möglicher Strafzahlungen bei Nicht-Erfüllung der CO2-Vorgaben auf ein Mindestmaß zu reduzieren?

Antworten auf diese Fragen wird uns wohl die nahe Zukunft geben.

Hier drängt sich die Frage nach der Anzahl der Bestellungsstornos bei heimischen Betrieben auf. Wegen der Parallelen des österreichischen und des deutschen Automobilmarkts könnte das einfach rechenbare Verhältnis von 1:10 stimmen: War also in Österreich eine ähnlich hohe Zahl an Stornos?

Ein gefährliches Spiel treiben die Hersteller da mit ihren treuen Partnern: Sie riskieren dabei nicht nur enorme Schäden und die Schwächung ihrer Vertriebsstruktur, sondern laufen auch Gefahr, treue Kunden der Marke ein für allemal für zu verlieren. Ob sich damit langfristig Bilanzen auffetten lassen, darf bezweifelt werden.

Und das gilt eigentlich uneingeschränkt – auch für Österreich.

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