Viele (vor allem gute) Autoverkäufer verlassen die Branche, gehen etwa in den boomenden Baubereich. Das wird sich in den nächsten Monaten noch verschärfen. Momentan klingt das nicht so dramatisch, gibt es doch ohnehin nichts zu tun in den Schauräumen. Die Entwicklung wird aber zum Problem, wenn sich die Lieferfähigkeit wieder verbessert. So wird in den kommenden Monaten die Beratung darüber wichtig sein, was denn lieferbar ist, welche Ausstattung und Konfiguration wann ausgeliefert werden kann. Schon da braucht es wieder die Profis. 

Das Problem kann nicht von den Händlern alleine gelöst werden, doch nicht alle Importeure nehmen die Entwicklung entsprechend ernst. Schließlich ist der Online-Verkauf in aller Munde, die Händler, sorry: die Agenten müssen ja bald nur mehr ausliefern. So wird es aber nicht laufen. Klar, die Scheren zwischen den Schnäppchen-Jägern und Online-Käufern einerseits und den loyalen Autohaus-Kunden, die volle Betreuung wünschen und dafür auch bezahlen, wird weiter auseinander gehen. Für die zweite Gruppe – und nur die wird das Überleben des Autohauses finanzieren – braucht es absolute Profis: Bedarfsermittlung, Beratung, Finanzierung, Full-Service-Lösungen, Auto-Abo, Versicherung und nicht zuletzt die Auslieferung komplexer Modelle mit Entertainment, Komfort und Fahrassistenz braucht erfahren Fachleute. 

Dazu kommt das neue Gebiet der Elektromobilität, wo es nicht nur um das richtige Modell sondern auch um Beratung, Vermittlung und Verkauf von Mobilitäts-Apps, Ladekarten und vor allem Ladeinfrastruktur geht. Ein Bereich, den die meisten Autohäuser noch gar nicht auf dem Schirm haben. Die Autohausbesuche pro Kauf gehen in Richtung 1, der Verkäufer hat also nur mehr eine Chance für den Abschluss samt Rundumpaket.

Gute Mitarbeiter generell und hochkompetente Verkäufer im Speziellen sind der Schlüssel zum Fortbestand des (regionalen) Autohauses. Dazu braucht es in den nächsten Monaten das Engagement der Autohäuser und die Unterstützung der Importeure.

Wie sehen Sie die Entwicklung, welche Lösungen braucht es? Schreiben Sie mir bitte: gerald.weiss@awverlag.at

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