Tavares fordert von der EU eine Aufrechterhaltung der Elektro-Subventionen bis mindestens 2025 und er hat längst mit der Transformation sämtlicher Fabrikations- und Vertriebsaktivitäten begonnen. Außerhalb seiner eigenen Bilanzen von Europas zweitgrößtem Autohersteller kerben sich die Maßnahmen des Kostenkillers immer tiefer in die der untergeordneten Marktteilnehmer. 

Der Ordnung halber sei erwähnt, dass sich die Konkurrenten inhaltlich nicht viel anders verhalten. 2021 lebte unsere Autowirtschaft von den Vorziehkäufen, die jetzt im ersten Halbjahr zur Auslieferung gelangen. Über das 1. Halbjahr 2022 wagt niemand eine Prognose. 

Jedenfalls schockt der von Monat zu Monat teurer werdende E-Autokauf die Kundschaft und ohne Subventionen der E-Mobilität würden auch die Firmenkunden rasch wieder abspringen. Was Tavares auch in den allfälligen Folgen abzuschätzen weiß. 

Die Elektroantriebe sind 50 Prozent teurer als die Verbrenner und treiben die Neuwagen-Preise in die Höhe, rechnet Tavares. Damit steigt das Risiko, dass die Mittelschicht keine Autos mehr kaufen kann und die Staatskassen überfordert werden. Ob er diese Erkenntnis auch unserer Frau Umweltministerin verklickern kann, ist fraglich. 

Zumal Tavares in E-Autos zum Klimaschutz keinen positiven Beitrag der E-Autos erkennen will: „Wir werden erst in 10 oder 15 Jahren wissen“, diktiert er in dem Handelsblatt ins Interviewpapier, „welche Ergebnisse die Elektrifizierung tatsächlich für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen bringen wird.“ 

Man müsse über den CO2-Fußabdruck der Batterie sprechen, denn beim europäischen Energiemix müsse ein E-Auto erst 70.000 Kilometer fahren, um eine schlechte CO2-Bilanz der Batterieherstellung auszugleichen, lenkt Tavares den Blick auf den CO2-Fußabdruck der Batterie.  

Als schnellere und billigere Innovationsmöglichkeit nennt der Portugiese in französischen Diensten leistungsfähige Hybridautos, die einen sofortigen CO2-Vorteil gebracht hätten. Und wie die Praxis zeigt, auch ordentliche Erträge abwerfen. 

Ob der Kostenkiller, der selbst die finanzmarode Marke Opel in den schwarzen Zahlen hält, schon eine Ahnung hat, dass das reine E-Auto-Batterieabenteuer ein Ablaufdatum hat und in ein paar Jahren das Zeug als umweltunverträglich verboten werden wird? 

Während sich die Welt über alles empört, lässt sich vieles wieder wegschmeißen. Egal was in letzter Zeit unter dem Siegel des Klimaschutzes politisch verbrochen wurde, die Politik nimmt sich dann Zeit, sich im Fall des Scheiterns dafür zu entschuldigen. 

Die Zahl der Menschen, die sich kein Auto mehr leisten können, wächst indes rapid – auch bei uns. Tavares und seinen globalen Mitstreitern ist das ziemlich egal, er fordert die Fortschreibung der für ihn – und natürlich auch der anderen Industriegiganten – komfortablen Subventionspolitik. 

Die Rechnung zahlen allemal die Konsumenten und dann sind die heutigen CEOs und PolitikerInnen längst nicht mehr am Ruder. Was der Bevölkerung nicht egal sein wird und sie nach Regierungsalternativen suchen lässt.

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