240.000 offiziell, 290.000 bis 310.000 Pkw-Neuzulassungen hochgerechnet, lautet Österreichs Verkaufszahl 2021, denn bis zu 70.000 effektiv verkaufte Autos konnten im abgelaufenen Jahr nicht an Endkunden ausgeliefert werden.  

Hersteller produzieren weniger Autos und verdienen mit teuren Autos mehr Geld – erfreulicherweise auch die Händler. In die Käufermasse schlagen soziale Unwuchten, dynamisiert durch die Klimaschutzhysterie, sei hier schon einmal angemerkt.

2022 stellt sich uns die Frage, wie sich bei steigender Inflation und Verteuerung der Lebenserhaltungskosten kaufkraftmäßig Nachfrage und Angebot bzw. umgekehrt die Waage halten können.

Die Preis(steigerungs)rallye steuert einem Höhepunkt zu, marktschreierische Rabatte gibt es anderswo, kaum mehr im Autohandel. Zahlreicher werdende Online-Angebote fegen die Gebrauchtwagen-Plätze leer. Für Importeure und Handel ist Zynismus dennoch keine Option.

Der von Corona geplagte Staat braucht die Steuereinnahmen der heimischen Autowirtschaft. Wie man die Herausforderung konkret angehen sollte, hat die Umweltministerin Gewessler in einer ihr eigenen Strategie skizziert.  

Sie fördert mit Unsummen die E-Automobilität und greift dabei ungeniert auch nach den von Rauchern und Raucherinnen letztes Jahr geleisteten 2,7 Milliarden Euro Steuern.  

Apropos Umweltschädlichkeit: E-Autos, greife ich einen Gedanken von Spiegel-Redakteur Ulrich Fichtner auf, könnten 2055 vielleicht wegen dann ihrer nachgewiesenen Umweltschädlichkeit wieder verboten werden.

Zentral ist ihr der Einsatz von regenerativer Energie, unklar allemal die Verfügbarkeit von wirklich „grünen“ Energieangeboten. Das E-Auto allein als derzeit hochsubventioniertes Allheilmittelmittel in den Gedanken um den Klimawandel ist also riskant. 

Ach ja! Würde man die einzelnen Angaben der Markenvertreter addieren, kämen 2021 gar wieder 350.000 Neuzulassungen zustande. So wie in alten Zeiten. Waren es vor der Pandemie die Tageszulassungen, sind es jetzt die nicht erfüllten Kundenzulassungen, mit denen sich Zulassungserfolge frisieren lassen. 

Schummeln ist erlaubt. Geschäftszahlen finden sich höchstens in den sozialen Medien wieder, werden nicht aber Auge in Auge debattiert. Daher wird Ihnen beispielsweise Leonore Gewessler niemals ins Gesicht sagen, dass sie liebend gerne ins All fliegen würde, um aus dem Orbit den Weltklimaschaden begutachten zu können. Dabei würden nicht wenige sie gratis und mit Handkuss in die Umlaufbahn schießen.

Beinahe wäre ich abgschweift: Die EU-Kommission will Investitionen in Gas- und Atomkraftwerke als klimafreundlich einstufen. Der Streit um die Taxonomie-Verordnung, ein Herzstück der EU-Bemühungen zur CO2-Neutralität, wogt seit Monaten. 

Die Taxonomie ist eine Art Klassifizierung nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten und kommt einer Einstufung als förderwürdig und einer Empfehlung an Investoren gleich. 

Scharfe Kritik kommt von den Grünen aus Deutschland, das soeben drei ohnehin malade Atomkraftwerke abgeschaltet hat und aus Österreich, das eine Klage gegen die EU-Mächtigen androht. Gewessler bräuchte für diesen juristischen Kraftakt 20 der 27 EU-Mitgliedsstaaten hinter sich.

Folgt man all dieser Logik, werden auch 2022 die Pkw-Neuzulassungszahlen wieder die Ansprüche des Autohandels erfüllen, auch wenn die breite Käufermasse weiter bröckelt.



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