Werden Inserate in Frankreich in Web, Print, Fernsehen oder Radio für motorisierte Fahrzeuge geschaltet, so müssen diese ab März dieses Jahres mit (einem von den 3 folgenden) Hinweisen „Bei täglichem Gebrauch öffentliche Verkehrsmittel nutzen“, „Bei kurzen Wegen lieber gehen oder Radfahren“ oder „Über Carsharing nachdenken“ versehen – sowie immer mit dem Hashtag „#SeDeplacerMoinsPolluer“ (Bewegen und weniger verschmutzen) gekennzeichnet werden. Bei Missachtung drohen hohe Geldstrafen bis zu 50.000 Euro pro Vorfall.
Doch damit nicht genug: Für Fahrzeuge mit hohen Emissionen – darunter viele SUVs – könnte Werbung in der Grande Nation bis 2028 ganz verboten werden.
Sollte sich das Werbeverbot EU-weit (und auch noch für andere Produkte) durchsetzen, droht vielen Medien noch höherer Druck: Ohne entsprechende Werbe-Einnahmen oder staatliche Hilfen würden das einige wohl nicht überleben. Besonders kritische Medien liefen Gefahr, für immer von der Bildfläche zu verschwinden, was zu einer weiteren Ausdünnung der Meinungsvielfalt und noch mehr gleichgeschalteter Mainstream-Berichterstattung führen würde.
Während radikale Umweltschützer über weitere Maßnahmen, die den Druck auf die Automobilindustrie erhöhen, grübeln, fordern andere gleiches Recht für alle: Bald könnte uns eine Flut von Hinweisen drohen: Verdirbt uns ein Warnschild auf dem Wurststand mit dem Hinweis „Denken Sie vegan“ bald den Gusto auf die Käsekrainer? Werden Menschen mit einem Body-Mass-Index von über 30 demnächst gezwungen, im Restaurant auf der Speisekarte Sätze wie „Es muss nicht immer ein Schnitzel sein“ zu lesen? Wird an Benützer von Rolltreppen in den Öffis in Zukunft appelliert, doch lieber die Stiege zu nutzen?
Überregulierung, Zwangsbeglückung, das bewusste Schüren von Ängsten und Bevormundung in allen Lebensbereichen sind in manchen Staaten der Welt bereits bittere Realität, die Digitalisierung dient dabei als willkommenes Mittel zum Zweck. Es stellt sich die Frage, ob wir in einer solchen Welt leben wollen.
Übrigens: Ein verordnetes Sprücherl dürfte zukünftig auch auf verlassenen Bahnhöfen stillgelegter Nebenlinien oder vereinsamten Busstationen nicht fehlen: „Falls Sie zu lange warten müssen, überlegen Sie doch, selbst mit dem Auto zu fahren!“
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