Das abgelaufene Geschäftsjahr brachte vielen Kfz-Unternehmen gute, teils hervorragende Ergebnisse und den Herstellern satte Gewinne – und das bei dramatisch schlechter Warenverfügbarkeit und anhaltender Corona-Irritation. Diese Konstellation ist zunehmend Gift für unsere demokratisch orientierte Wirtschaft.
Damit ist klar, dass sich Standesvertretungen und Gremien nicht nur der Ermahnungspolitik, sondern auch für die Abwehr aktueller Bedrohungen von Unternehmern zuständig erklären müssen.
Doch wer will sich da den Konzernen in den Weg stellen? Stehen doch die, die das können, meist sich mit ihren eigenen Interessen im Weg.
Doch im nächsten Jahr wird alles besser, befiehlt uns der Optimist zu sagen. Trotz Weihnachten der Enttäuschungen, die wir einer Covid-Welle nach der anderen verdanken. Die produktionshemmende Chipkrise ist auch noch lange nicht ausgestanden. Kurz- statt Vollzeitarbeit – ein Dilemma! Pleitewellen drohen, wenn ab dem 2. Quartal sich die Auftragsbücher nicht rasch wieder füllen.
Dennoch sonnt sich der Autohandel im Erfolg und die Autohersteller erzielen Rekordgewinne, die betuchte Kundschaft zahlt für hochwertige Fahrzeuge nahezu jeden Preis und akzeptiert dabei enorme Wartezeiten. Der Gebrauchtwagen ist plötzlich Mangelware. Lediglich die subventionierten E-Fahrzeuge, die doch nicht wie die sprichwörtlichen „warmen Semmeln“ weggehen, beleben die Tageszulassungsstatistiken.
Die im mittleren und unteren Preissegment gefragten Benziner und Diesel werden weniger gebaut, weil politisch gewollt, den Produzenten ansonsten saftige CO2-Strafzahlungen drohen.
Es liegt was in der Luft! Mit weniger Händlern und deutlich reduzierten Ertragsmöglichkeiten geht es ins neue Jahr, Verträge werden jedoch erst 2023 konkreter. Bis dahin heißt es schöpfen im Dienst der Milliarden scheffelnden Konzerne.
Während die Autohersteller mit aller rhetorischen Kunst „nachhaltig“ CO2 einsparen, rüsten einige Länder ihre Atomkraftwerke auf. Diese Schlacht geht verloren, gesteht Karl Nehammer bereits Tage nach seiner Ernennung zum Bundeskanzler ein. Ohne Atomstrom wird es keine Energiewende geben. Aber wo Grünenministerin Leonore Gewessler am Tisch sitzt, hockt bekanntlich auch der Klimaschutz.
Hoffnungszeichen gibt es ebenso viele wie Fragezeichen. Nachhaltige Strategien kosten unserer mittelständischen Wirtschaft viel Kraft: Kurzarbeitende, Billiglöhner und gar Arbeitslose kaufen kein (neues) Auto. Sie brauchen ihr Geld, um sich das Dach über dem Kopf, die Energiekosten für den Haushalt und überhaupt das Leben noch leisten zu können.
Die Importeure sehen das Ärgste hinter sich, die meisten Autohändler das Schlimmste noch vor sich. Agenturmodelle werden ihre Anhänger finden, in der Breite des Handels aber zahlreiche Opfer fordern. Was den Autoproduzenten in ihrem ungebremsten Optimierungsstreben aber ziemlich wurscht ist.
Egal was sich die Autohersteller im Umfeld der Pandemie zu ihren Bilanzverschönerungen einfallen lassen, sie beherrschen auch die Desinformation perfekt. Ein gutes Beispiel ist das Büchl-Urteil gegen Peugeot mit nachhaltigen Folgen für alle Markenorganisationen weit über unsere Landesgrenzen hinaus.
Je nach Standpunkt wird das Urteil behauptet, bekämpft oder gar negiert. Dabei ist das der Schlüssel, dem Fahrzeughandel auf Sicht wieder Rechte zuzugestehen, ihren unternehmerischen Fortbestand dauerhaft abzusichern. Trotz Dementi haben sich die meisten Importeure in den EU-Ländern mit dem Wiener Urteil längst „arrangiert“, um Rechtsverfolgung zu vermeiden.
2022, wenn 250.000 Neuwagenverkäufe, adaptiert mit 25.000 leichten Nutzfahrzeugen, auf dem Plan stehen, wird das bahnbrechende Büchl-Urteil seine Wirkung nicht verfehlen.
Ich bin aber nicht naiv, wenn es im Faktencheck um die zeitliche Realisierbarkeit geht.
Unternehmer, die verbal auf das Büchl-Urteil aufspringen, sich dabei von einzelnen Versprechungen der Hersteller instrumentalisieren lassen und sich selbst mit den Gepeinigten vergleichen, sind mit Solidarität auch in Zukunft nicht zu erreichen.
Es gibt aber eine Gruppe, die den Kampf um ihre existenzielle Zukunft und die der anderen mit Sach- und Fachverstand ausficht. Daher ist es wichtig, die Markenhändlersprecher im Boot zu haben, um die Deutung des Büchl-Urteils frei von Fake News zu halten.
Dieser Effekt ist noch nicht eingetreten. Aber das kann ja 2022 werden!
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