Herausragend ist jedoch die Tatsache, dass der Autohandel in nahezu allen Ertragssegmenten und quer durch die Markenwelt zulegen konnte. Keine Tageszulassungen, Angebotsmangel, kaum gegebene Rabatte und der einsetzende Transformationsprozess bescheren heuer den meisten Kfz-Unternehmen Erfolgsbilanzen wie selten zuvor.
Schwierig ist die Deutung, am gemeinsamen europäischen Werk der klimaneutralen Wirtschaft mitzuwirken. Das alles vor dem Hintergrund der zunehmenden Einführung von Agentursystemen, die, je nach Hersteller unterschiedlich, „brutal“ in die Tat umgesetzt werden wollen. Von dieser Zäsur bleibt das Kfz-Gewerbe nicht verschont, zumal Klimafragen als Differenzierungsfaktor weiter an Bedeutung gewinnen werden.
Zwischen Zuversicht und Kampf droht die nächste Lockdown-Welle. 2022 rechnet kein halbwegs mit dem Tagesgeschäft vertrauter Unternehmer mit einer Normalisierung: weder bei der Verfügbarkeit von Fahrzeugen noch bei den von den Herstellern geforderten Transformationsmaßnahmen.
Dazu gesellt sich eine politische Gemengelage, die sich angesichts nun kolportierter Spitzenergebnisse mittels neuer Steuerlasten daran delektieren möchte. Schließlich hat die Pandemie dem Finanzminister bis jetzt weitere 70 Milliarden Euro an Ausgaben abverlangt. Diese Schuldenlast muss ja irgendwie wieder abgetragen werden und da kommt wieder der Autonutzer zum Handkuss.
Also ist es für nicht weiter verwunderlich, dass die „klimaschützende“ Verkehrsministerin nahezu unbehelligt ihres politischen Gegenübers ein Straßenbauprojekt nach dem anderen kassieren darf, weil sowieso kein Geld dafür vorhanden ist. Also bleibt das Auto salonfähig. Sofern die Autoindustrie liefert, kann der Handel auch 2022 weiter wachsen.
Allerdings müssen die heuer so erfolgreichen Autohändler rasch Lösungen finden, im schwierigen Lieferumfeld ihre Kundschaft auch künftig halten zu können. Mit geeignetem Service Lieferverzögerungen ohne großen Stress abfedern zu können, kostet allerding Geld, das der Autohändler verdienen muss.
Da niemand so richtig abzuschätzen vermag, wie lange das Lieferdesaster anhalten, wie sich die Corona-Pandemie weiterentwickeln wird und was die damit einhergehenden wirtschaftlichen Probleme mit der Kaufkraft der Kunden machen, gleicht dem sprichwörtlichen mit langen Stangen im Nebel stochern.
Unter diesen Voraussetzungen 2022 wieder 240.000 bis 260.000 Pkw-Neuzulassungen erreichen zu können, ist seitens der Hersteller gestecktes Ziel. Allerdings in den Willen vieler Importeure gebettet, diese Vorgabe mit weniger Markenstandorten zu erzielen.
Neben dem verstärkten Investitionsbedürfnis für E-Mobilität mit dazugehöriger teurer Ladeinfrastruktur darf nicht vergessen werden, dass einige asiatische E-Marken mit ihrem angekündigten Markteintritt die Angebotsszene beleben werden.
Die Beziehung Hersteller zu Handel, wo sich manche Produzenten durch Veränderung ihrer Vertriebssysteme mehr Rechte zugestehen werden, steht in der Verbandsarbeit weiter auf dem Prüfstand. Wer dabei auf Unternehmenskultur setzt, schätzt die Sachlage wohl sehr freundlich ein.
Im ersten Halbjahr 2022 werden die Kaufverträge abgearbeitet, stets unter dem Damoklesschwert mangelnder Verfügbarkeit schwebend. Und ob die üppigen staatlich subventionierten E-Förderungen für Privatkunden Bestand haben werden, bleibt ungewiss.
Allen Herstellern gemein ist das Bekenntnis zu einer klimafreundlichen Mobilität, die sich in der Konzentration auf Elektrofahrzeuge für Europa ausdrückt. Ob der Kunde dabei mitspielt, sich in naher Zukunft beim Autokauf vom Verbrennungsmotor zu verabschieden, lassen wir dahingestellt.
In der Politik wird sich, so denken realistisch eingestellte Marktteilnehmer, letztlich ein technologieoffener Ansatz bei den Antriebsarten durchsetzen. Ansonsten zwei weinende Augen auf die künftigen Neuzulassungszahlen starren werden.
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