Der Reihe nach: PolitikerInnen machen doch nicht mit Absicht Fehler, also machen der Umweltministerin Gewesslers Straßenbau-Evaluierungen durchaus Sinn. 

Quer durchs Land sistiert sie ein Straßenbau-Projekt nach dem anderen – so auch den Lobautunnel in Wien. Jedoch nicht aus Umweltgründen, sondern weil der Regierung von Corona ausgelöst schlicht und ergriffen das Geld dazu fehlt. Das ist die ungeschminkte Wahrheit aus dem Finanzministerium. 

Also agitiert die resche Umweltretterin Leonore Gewessler vom „Müssen zum Wollen“ mit ihrem therapeutischen Klimavokabular. Ob sich damit automobile Ausgrenzung politisch langfristig verkaufen lässt? Kurz hat seine Grenzen bereits erkennen müssen, Gewessler wird auf ihren Bahnfahrten diese Erfahrung auch bald machen. 

Zunächst zwingt uns die Pandemie, sich den neuen politischen Verhältnissen anzupassen. Ohne individuelle Mobilität wird es aber auch grünideologisiert nicht funktionieren. Weite Teile der Bevölkerung sind soeben dabei, in den Überlebensmodus zu schalten. Wachstum bleibt immer mehr Menschen verwehrt. Damit fehlt ausreichend Kaufkraft! 

Und „unsere“ Kinder in den Lobau-Protestcamps geben sich weiter resistent. Der Asperner Seestadt mit 60.000 Einwohnerzugängen gönnen sie weiterhin keine Stadtstraße. Obwohl ihre geistigen Windelträger (= Unterstützer) bequemerweise die ganze Zeit selbst mit dem Auto zum Protest anreisen, anstatt mit dem Fahrrad oder zu Fuß. 

Die jungen Leute, die mit den Pfründen ihrer Eltern heute um unseren Planeten kämpfen, werden ohne Job und Existenzsicherheit morgen alt ausschauen. Hauptsache, unsere Gesellschaft darf momentan Konflikte jeder gegen jeden ausbilden. Der Boden für jede Art von Extremismus ist bereitet, eingebettet im Kinderprotest.  

Aber die Glaubwürdigkeit der Grüninsinuierten hat ihr Ablaufdatum. In ihrem Wahlstimmenfänger-Vokabular werden weniger Autos und Platz für mehr Menschen versprochen. Die Verkehrswende wird gefordert. In den Koalitionsverträgen ist dieser Teil grüner Identität dann kaum mehr zu finden. Auch bei den Grünen regiert das Geld die Welt. 

Die Maßnahmen des Gewessler-Regimes greifen zu kurz. Was heute von ihr ausgesprochen wurde, wird morgen von anderen politisch stets erneuerbaren Glaubenswirkenden von Neuem evaluiert und folglich revidiert werden. 

Und ich erinnere auch daran, die nächste – zeitnah kommende – Regierung wird das Auto wieder hegen und pflegen, weil sie die Autosteuern braucht, um halbwegs friktionsfrei aus der herrschenden Finanzkrise zu kommen.  

Frau Gewessler irrlichtert derweil weiter durchs Klimathema und darf bis zur nächsten Regierungsbildung – vermutlich ohne die Grünen – weitere Dellen in die ohnehin marode Wirtschaft hämmern. Einerseits will sie gar keine Autos auf der Straße, andererseits subventioniert sie die E-Mobilität mit horrenden Summen. Österreichs Landesinteressen zu dienen, ist ihr fremd. 

Und die Autowirtschaft befindet sich weiterhin auf dem suchenden Pfad. Derweilen zaubert die Pandemie bei weniger Fahrzeugverkäufen vielen Betrieben beste Ergebnisse in die Bilanzen. Wer denkt da schon an morgen? 

Dieser Gedanke wird erst schlagend, wenn der Autobranche die Verkaufsstückzahlen einbrechen. Dieser Zeitpunkt ist näher als uns allen lieb sein kann.



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