Der Stellantis-Kodex legt die ethischen Grundsätze für sein tägliches Verhalten fest und beschreibt, wie er seine Mitarbeiter schützt, Geschäfte tätigt, mit externen Parteien interagiert und Vermögenswerte und Informationen verwaltet. „Unser Verhaltenskodex“, so der Brief der Händlernetzentwicklung, „unterstreicht für Stellantis zwei grundlegende Begriffe: „Vielfalt und Integrität.“

Eine sehr für Kritik anfällige Passage aus dem Rundschreiben 201: „Vielfalt ist unser persönlicher Stolz und unsere gemeinsame Stärke, denn die Mitarbeiter von Stellantis kommen aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen und beruflichen Hintergründen.“ CEO Carlos Tavares betont das Konzept der Vielfalt bei allen seinen Geschäftspartnern aus der ganzen Welt, mit denen er eine dauerhafte Geschäftsbeziehung aufbauen möchte, also auch mit seinen Vermarktungspartnern vor Ort.

Integrität ist demnach eine Quelle der Wettbewerbsfähigkeit, eine Grundlage für nachhaltiges Wachstum und der Weg, um den Ruf als ein neues Unternehmen aufzubauen und kontinuierlich zu bestätigen, dem die Stellantis-Kunden, Mitarbeiter und Interessengruppen vertrauen und sich darauf verlassen können. 

„Folglich muss Integrität auch ein Grundwert unserer Geschäftspartner sein“, liest sich im Text flott fort und endet im Begleitbrief so: „Wie Sie sehen, ist die Zusammenarbeit mit unseren Geschäftspartnern entscheidend für unseren Erfolg. Daher bitte ich Sie, sich persönlich zur Einhaltung unserer ethischen Grundsätze zu verpflichten, die im Kodex zum Ausdruck kommen, und mit uns gemeinsam eine Kultur aufzubauen, die bei allem, was wir tun, auf Vielfalt, Integrität und Qualität setzt.“

Neutral beobachtet ist das eine einseitige Vorgangsweise, denn die in Schwebe befindlichen Vermarktungspartner haben keine Werkzeuge in der Hand, sich gegen Missbrauch oder Fehlinterpretation seitens Stellantis zu wehren. Da nützen auch in voller Personalstärke Händlerbesuche vor Ort wenig, wenn zwar über Standards diskutiert wird, jedoch konkrete Maßnahmen auf 2023 zur Konkretisierung verschoben werden.

Autohausbetreiber, die auf vorzeitige Resultate von Stellantis schielen, werden sich hüten, darüber öffentlich zu reden. Stellantis sowieso nicht. Die Markenhändler-Verbände haben aber erkannt, dass sie nur mit vereinten Kräften – sozusagen ein alle drei Markengruppen umfassender Stellantis-Händlerverband – eine neue Kultur der langfristigen Zusammenarbeit schaffen können. Es ist aber auch klar, dass von den ungefähr 860 gekündigten Stellantis-Partnerpositionen ein größerer Teil nicht mehr benötigt wird. Und sie haben keine Whistleblower-Hotline, an die sie sich wenden können.

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