An dieser Stelle hat mein Kollege Roland Scharf kürzlich über die Möglichkeit eines Autostreiks nachgesonnen, um Anliegen der Autofahrer bei den politisch Mächtigen durchzusetzen.

Mit großem Genuss habe ich als Freund der paradoxen Intervention diese Zeilen gelesen. Zwar versichern mir bekannte Quellen (Wikipedia), dass die Methode nur selten langfristig funktioniert und im Grunde also keine Probleme löst, aber sie macht das Leben irgendwie bunter.

Sie haben nicht "auf die Gachen" parat, was paradoxe Intervention ist? Ganz einfach: Wenn der Sprössling wieder einmal sehr kreativ mit seinem Essen um sich wirft, weisen Sie ihn nicht höflich nach den Regeln von Maria Montessori zurecht, ziehen keine waldorf'sche Grenze oder belehren über die Freuden der guten Sitten, sondern greifen selbst lustvoll mit beiden Händen in die Spinatspätzle und verteilen Sie auf Tisch und Wänden.

Dass gegen Ihre schlechten Ernährungsgewohnheiten paradox interveniert wird, ahnen Sie, wenn der Arzt Ihnen plötzlich ein Leberkässemmerl oder ein Frühstücksbierchen verschreibt. Eine ähnliche Ahnung überkommt mich bei der jüngsten Ankündigung des frischgebackenen Auto-Giganten und aktuellen Gottseibeiuns der österreichischen Automobilbranche, Stellantis.

Dieser hat nämlich verlauten lassen, jetzt auch ein ganz eigenes europäisches Schnellladenetz für seine E-Autos auf die Beine zu stellen. Dagegen ist nichts zu sagen. Außer vielleicht: Wenn alle an den vielversprechendsten Standorten ihre eigenen Schnelllader hinpflastern, ist das der Idee eines Netzes eher abträglich.

Es entstehen vielmehr Lade-Haufen an wichtigen neuralgischen Punkten entlang der am stärksten befahrenen Hauptverkehrsadern, und abseits von diesen bleibt Lade-Wüste übrig. E-Autofahrer wissen längst: Wo ein Ionity-Schnelllader steht, ist der Tesla-Ladepark, der Smatrics-HPC, etc., nicht weit.

Natürlich: Wenn man paradox gegen die E-Mobilität intervenieren möchte, würde man es genauso machen. Aber das wollen wir weder Stellantis noch einem anderen Anbieter unterstellen.

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